Sie tragen keine Waffen, sie locken GIs im Irak nicht in Hinterhalte - sie führen ihren Heiligen Krieg gegen Ungläubige von der Computer-Tastatur aus: Tausende beteiligen sich weltweit an einem "elektronischen Dschihad" gegen Israel, die USA oder die katholische Kirche. Anleitungen samt Computerviren und Würmern finden sie inzwischen zuhauf auf Islamisten-Websites im weltweiten Datennetz.
Horrorszenarien
Wie effektiv die Cyber-Krieger wirklich sind, ist unklar. Schon kurz nach den Terroranschlägen des 11. September 2001 ging in den USA die Furcht um, die nächste Attacke könnte aus dem Internet geführt werden. Hacker könnten Stromversorgung, Verkehrs- oder Kommunikationssysteme angreifen, Finanzbörsen zum Absturz bringen oder gar Nahrungsmittel durch das Eindringen in Computer der Hersteller manipulieren, malten Experten ein Horrorszenario nach dem anderen aus.
Cyber-Attacken gehören zur Grundausbildung
Doch bis heute gibt es keine Hinweise, dass jemals ein Angriff auf einen derart sensiblen Bereich gelungen ist, wie Thomas Hegghammer vom norwegischen Institut für Verteidigung sagt. "In Islamisten-Foren findet man Bereiche für den elektronischen Dschihad genauso wie Anleitungen zum Bombenbauen", sagt Anne Giudicelli von der Pariser Beraterfirma Terrorisk, die islamistische Internetseiten beobachtet. "Wie man Cyber-Attacken führt, gehört fortan zur Grundausbildung des Dschihad-Kämpfers."
Als Beispiel für eine gelungene Attacke nennt sie die Website der dänischen Zeitung "Jyllands-Posten", die mit der Veröffentlichung von Mohammed-Karikaturen einen Sturm der Entrüstung in der muslimischen Welt auslöste. Die Washingtoner Jamestown Fondation berichtete jüngst, auf einer Website könne ein Virus namens "Electronic Jihad Program 1.5, silver edition" heruntergeladen werden. Dort könne auch ein Browser-Zusatz installiert werden, über den automatisch Daten, Zeiten und Ziele von geplanten Cyber-Attacken bekannt gegeben würden.