T-Mobile,
Vodafone und
o2 müssen künftig in Sachen Handy-Fernsehen ohne
E-Plus planen. Der drittgrößte deutsche Mobilfunkanbieter gab heute bekannt, sich nicht an dem geplanten Handy-TV-Konsortium der Netzbetreiber zu beteiligen. E-Plus zieht damit nach eigenen Angaben die Konsequenzen aus den politisch-regulatorischen Rahmenbedingungen, den wirtschaftlichen Erwartungen an ein solches Investment sowie den bisherigen Verhandlungen.
E-Plus zieht sich zurück
E-Plus-Chef Michael Krammer begründet den überraschenden Schritt damit, dass sich E-Plus auf die Vermarktung von Produkten und Services konzentrieren wolle, "für die eine Kundennachfrage vorhanden ist und bei denen die wirtschaftlichen und rechtlichen Bedingungen klar sind." Weiter führt Krammer aus: "Wir entscheiden uns nicht gegen das Produkt Handy-TV, sondern ziehen die Konsequenzen aus unseren bisherigen Erfahrungen." E-Plus halte Quersubventionierungen von unsicheren Zukunftstechnologien für wenig sinnvoll.
Laut E-Plus konnte unter den vier Netzbetreibern bisher keine Einigung über wesentliche Eckpunkte des geplanten Konsortiums erzielt werden. Ein weiterer wichtiger Aspekt sei, dass noch immer nicht absehbar sei, wann eine bundesweit verfügbare DVB-H-Lizenz verfügbar werde. An einen kurzfristigen, erfolgreichen Vermarktungsstart des Handy-Fernsehens auf Basis des
DVB-H-Standards sei daher nicht zu denken.
E-Plus-Chef Krammer kritisierte zudem, dass "zu viele Beteiligte in der Wertschöpfungskette mitverdienen wollen". Für die Kunden würde der Dienst unter den aktuellen Rahmenbedingungen zu teuer oder für die Betreiber unwirtschaftlich. Die Tageszeitung "Die Welt" berichtet, dass zuletzt ein monatlicher Nutzungspreis von 5 bis 10 Euro im Gespräch gewesen sei. E-Plus habe eine kostenlose Grundversorgung in Kombination mit Pay-TV-Angeboten vorgeschlagen.
Konkurrenz-Standard hat Vorsprung
Noch im August hatten T-Mobile, Vodafone, E-Plus und o2 ein positives gemeinsames Fazit nach einem erfolgreichen
DVB-H-Testlauf gezogen und sich auf die Gründung eines gemeinsamen Konsortiums verständigt. Das Bündnis soll nun ohne E-Plus fortgesetzt werden. Es läuft allerdings Gefahr, weiter hinter einem konkurrierenden Standard zurückzufallen. debitel und mobilcom sind bereits mit Handy-TV auf Basis von
DMB auf Sendung. Das Angebot wird von Mobiles Fernsehen Deutschland (
MFD) realisiert. Aktuell ist der TV-Dienst namens "watcha" in zwölf deutschen Großstädten nutzbar, soll aber mittelfristig auf ganz Deutschland
ausgeweitet werden. Bei mobilcom kostet das TV-Erlebnis auf dem Handy 8,95 Euro monatlich, bei debitel ist es für mindestens 4,95 Euro im Monat erhältlich.