"Geschichte wiederholt sich nicht" – über den Wahrheitsgehalt dieser allgemein bekannten These streiten sich nicht nur Historiker. Doch eins scheint sicher zu sein: Mit dem überteuerten Kauf des
Videodienstes YouTube dürfte sich Google verkalkuliert haben. Die Höhe des Kaufpreises erinnert an beste Dotcom-Zeiten und die ersten Kritiker gibt es bereits.
Richard Parsons, CEO des Medienkonzerns Time Warner,
warnt bereits vor einer neuen Dotcom-Blase. In der heutigen Ausgabe des Handelsblatts weist Parsons darauf hin, dass sich Web-Unternehmen "durchaus in einer zweiten Internetblase" befinden könnten. Als Dotcom-Blase wird in der Rückschau die Phase des ersten Internet-Booms genannt, in der Unternehmen völlig überbewertet wurden. Als die Blase platzte, verloren zahlreiche Investoren viel Geld, während nur wenige Unternehmen wie Google und AOL überlebten.
Große Internet-Euphorie
"Es gibt eine große Internet-Euphorie, die in einem Flop enden könnte", so Parsons weiter. Zurzeit sei es möglich viel Geld zu verdienen, aber auch viel Geld zu verlieren. So habe sich Google mit dem Kauf des nicht rentablen Videodienstes YouTube für 1,65 Milliarden Dollar verkalkuliert. Offensichtlich handelt es sich dabei um ein von Urheberrechtsverletzungen durchseuchtes und ineffizientes Unternehmen.
Google löscht nun das anarchistische Video-Material. Diese restriktive Politik lässt jedoch die Nutzer zur Konkurrenz abwandern, denn Videodienste benötigen einen gewissen Grad an Anarchie, um interessant zu bleiben. Immerhin leben viele Anwender von der privaten, nichtkommerziellen Erstellung von Plagiaten, der Veralberung oder der Neuzusammenstellung von kommerziellen Inhalten. Dabei werden automatisch Urheberrechte verletzt, was jedoch gleichzeitig den Charme von Videodiensten wie YouTube ausmacht.
Kopierbar und wertlos
Auch die Plattform an sich ist problematisch: YouTube als Unternehmen besitzt keine wirklichen Werte: Die Idee hinter der Videoplattform ist ein einfacher Zugang kombiniert mit einer bekannten Technik. Insofern lässt sich das Prinzip von YouTube problemlos kopieren, wie Sevenload.de und selbst Google schon vor dem Kauf mit eigenen Plattformen zeigten. "Wer garantiert mir, dass nicht morgen ein anderes Unternehmen kommt, das eine neue Internetseite aus dem Boden stampft, wo jeder hinrennt", fragt Parsons deshalb im Handelsblatt.
Statt auf die Entwicklungen von Web 2.0 will Parsons und damit Time Warner künftig eher auf den Fernsehmarkt setzen. "Fernsehen funktioniert. Die Leute lieben Fernsehen", so Parsons. Anders als jede Form des Internets ist Fernsehen die einfachste Form der Berieselung. Bequem vom Fernsehsessel aus und bar jeder Interaktivität können die Bilder ins Gehirn regnen.