Wenige Tage nach der Pleite des Handy-Bauers BenQ gibt es einen Hoffnungsschimmer für die Beschäftigten: Nach Angaben des vorläufigen Insolvenzverwalters Martin Prager kann die Produktion wohl zunächst bis Jahresende weiterlaufen. Ab Januar müsse das Unternehmen dann aber profitabel sein, sagte er in München. Vom taiwanischen BenQ-Mutterhaus ist kaum Hilfe zu erwarten. Die Bundesregierung schloss sich der Kritik am früheren Eigentümer Siemens an.
Prager zeigte sich insgesamt vorsichtig optimistisch. Unklar ist den Angaben zufolge derzeit aber der Zugriff auf die Handy-Patente, was für eine weitere Produktion wichtig ist. Von der Muttergesellschaft BenQ aus Taiwan ist nach einem Bericht des "Focus" keine Unterstützung zu erwarten. Sie lehne Hilfen an oder Übernahmen von deutschen Mitarbeitern ab. BenQ-Finanzchef Eric Ky Yu sagte dem Magazin: "BenQ geht nun an den Insolvenzverwalter. Wir müssen abwarten, was er unternimmt."
Siemens zahlte mehr Geld als bisher bekannt
Der taiwanischen BenQ-Konzern hatte die Produktion erst vor rund einem Jahr von Siemens übernommen. Die Münchener hatten bereits länger nach einer Lösung für die defizitäre Handysparte gesucht und bei der Abgabe noch Geld draufgelegt. Bisher war von einer Mitgift von etwa 350 Millionen Euro die Rede. Nach einem Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" zahlte Siemens deutlich mehr als angenommen. Aus dem Konzernabschluss 2005 gehe aber hervor, dass von dem Verlust aus dem Verkauf der Handy-Sparte 413 Millionen Euro direkt BenQ zuzuordnen seien. Zudem sei im Jahr 2006 mit weiteren "Nettozahlungsmittelabflüssen von etwa 500 Millionen Euro" zu rechnen, berichtet das Blatt.
Er sei von dem Unternehmen enttäuscht, sagte Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU). Damit schaltete sich nach den Landesregierungen der betroffenen Bundesländer Nordrhein-Westfalen und Bayern erstmals ein Mitglied der Bundesregierung in die Debatte um die BenQ-Pleite ein. Der saarländiche SPD-Chef Heiko Maas nannte die Vorgehensweise von Siemens und BenQ ein "Musterbeispiel für Raubtier-Kapitalismus". Er rief die Verbraucher auf, keine im Ausland produzierten BenQ-Produkte zu kaufen.
In dem Insolvenzverfahren stehen rund 3000 Arbeitsplätze in der Münchner Zentrale und in den nordrhein-westfälischen Werken Bocholt und Kamp-Lintfort auf dem Spiel.
Hayo Lücke
/ afp