Die Wut schlägt hohe Wellen an diesem Freitagmorgen in Kamp-Lintfort. "Riesenschweinerei", "große Sauerei", "riesengroßes Unrecht" - die Teilnehmer der Belegschaftsversammlung vor den Werkstoren von BenQ Mobile wetteifern mit drastischen Worten, um ihrer Empörung über die Manager in Taiwan und München Luft zu machen, die den Handy-Hersteller in die Sackgasse manövriert haben. Und an der Spitze der Protestierenden steht ein hoher Gast aus Düsseldorf: Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) hat der Belegschaft des von der Pleite bedrohten Handy-Hersteller BenQ Mobile seine Unterstützung zugesagt.
"Nicht kleinkriegen lassen"
Rüttgers sagte am Freitag nach einer Krisensitzung mit Betriebsleitung und Arbeitnehmervertretern des Werks von BenQ-Mobile in Kamp-Lintfort, die Teilnehmer hätten verabredet, dass sie sich "nicht kleinkriegen" lassen und das Unternehmen zu retten versuchen wollten. Es habe Übereinstimmung darüber geherrscht, sich nicht "irgendwelchen nicht nachvollziehbaren Entscheidungen" ausländischer Manager zu beugen. Wenn alle Kräfte gebündelt würden, dann gebe es eine Chance, den Handy-Hersteller doch noch zu retten, sagte Rüttgers.
Zuvor hatte Rüttgers auf einer Protestkundgebung die Zahlungseinstellung an die BenQ Mobile GmbH durch den taiwanischen Mutterkonzern heftig kritisiert. Er erinnerte daran, dass BenQ bei der Übernahme der Handysparte von Siemens vor einem Jahr zugesichert habe, mindestens fünf Jahre lang in Deutschland zu produzieren. Auch hätten die Mitarbeiter in den vergangenen Monaten durch Gehaltsverzicht von bis zu 500 Euro monatlich ihren Beitrag dazu geleistet, dass BenQ Mobile international wettbewerbsfähig sei. Er appellierte an Siemens, seinen Teil zur Rettung des Unternehmens beizutragen. Der Münchner Konzern trage dafür nach wie vor eine Verantwortung.
Siemens als Co-Buhmann
Siemens ist ein dankbares Prügelopfer, da der Ruf des Konzerns derzeit ohnehin durch die jüngste kräftige Gehaltserhöhung für die Vorstände angeknackst ist. Und so scheut Rüttgers auch nicht davor zurück, sich den Spekulationen anzuschließen, dass es bei der Übernahme vor einem Jahr, die Siemens den Taiwanern mit einer Mitgift von 350 Millionen Euro versüßte, nicht mit "rechten Dingen" zugegangen sei. Mit den Betriebsräten teilt er den Verdacht, dass es von vornherein lediglich darum gegangen sei, die unrentable Handysparte zu beerdigen, ohne dass sich Siemens die Finger schmutzig machen müsste.