Ein Jahr nach der
Übernahme von Siemens steht die Handyproduktion des taiwanesischen Elektronikkonzerns
BenQ in Deutschland vor der Insolvenz. Das sagte ein Sprecher der BenQ Mobile GmbH am heutigen Donnerstag in München.
Finanzspritzen eingestellt
Umsatz und Margen werden im wichtigen Weihnachtsgeschäft deutlich hinter den Erwartungen liegen, teilte das Unternehmen mit. Der Mutterkonzern BenQ zahle keine Finanzhilfen mehr an das Tochterunternehmen, in den nächsten Tagen müsse BenQ-Mobile nun Insolvenz beim Amtsgericht München beantragen. Betroffen sind die Standorte München mit 1.400 Beschäftigten, Bocholt und Kamp-Lintfort im Ruhrgebiet. Dort sind insgesamt 1.600 Mitarbeiter beschäftigt.
Vertrieb künftig aus Asien
Den Vertrieb von BenQ/Siemens-Handys will BenQ künftig aus Asien heraus fortsetzen. BenQ-Chef Kuen-Yao Lee erklärte in Taipeh, sein Konzern habe eine "übermäßige Summe an Kapital und Ressourcen" in die deutsche Handysparte gesteckt. Zusammen mit den deutschen Kollegen sei "eine Reihe von wichtigen Errungenschaften" erreicht worden. Doch trotz Fortschritten bei Kosten- und Ausgabensenkungen hätten wachsende Verluste die "schmerzhafte Entscheidung unvermeidbar" gemacht.
Die SPD forderte den taiwanischen Konzern auf, die deutsche Sparte nicht einfach fallen zulassen. "Eine Insolvenz muss nicht zwangsläufig das Aus für die komplette Produktion bedeuten", sagte der wirtschaftspolitische Sprecher der SPD im Bundestag, Rainer Wend, der Netzeitung. "Ich erwarte von BenQ, dass sie eine Perspektive für eine Fortführung der Handy-Fertigung schaffen." Der Konzern dürfe "sich nicht einfach davonstehlen".