Im Betrugsprozess um das japanische
Skandalunternehmen Livedoor hat Firmengründer Takafumi jegliche Schuld bestritten. Er habe weder Bilanzfälschungen begangen noch angestiftet, sagte der frühere Börsenstar heute bei seinem ersten Auftritt vor einem Gericht in Tokio.
Die Staatsanwaltschaft wirft dem 33-Jährigen unter anderem vor, in dem Finanzjahr bis September 2004 fälschlich einen Gewinn vor Steuern von 33 Millionen Euro deklariert zu haben; damit habe er tatsächliche Verluste von zwei Millionen Euro verschleiert.
Vier frühere leitende Mitarbeiter des früheren Internet-Gurus hatten bereits Bilanzbetrug gestanden. Der Livedoor-Skandal hatten in Japan zu Jahresbeginn beispiellose Turbulenzen ausgelöst. Nachdem die Ermittlungen bekannt geworden waren, musste die Börse in Tokio erstmals in ihrer Geschichte den Handel aussetzen.
Grund war, dass eine Flut von Verkaufsanträgen das Computersystem völlig überfordert hatte. Der Skandal schlug umso höhere Wellen, da Horie schon zuvor eine besonders schillernde Figur gewesen war. Der exzentrische Jungunternehmer, der sich in Auftreten und Geschäftsmethoden stets provokativ von der konservativen japanischen Geschäftswelt abzusetzen bemühte, hatte sich in Kürze mit einer Serie von Aufkäufen ein mächtiges Internetimperium aufgebaut.
Während er früher zu seinen Geschäftstreffen in T-Shirts zu erscheinen pflegte, trug Horie vor Gericht einen dunklen Anzug und eine blaue Krawatte. Seine Anwälte führten an, Horie habe nichts von den Bilanzmanipulationen gewusst. Dafür trage vielmehr der frühere Finanzdirektor Ryoji Miyauchi die Verantwortung. Im Gegensatz zu Horie hatten sich Miyauchi und drei andere Ex-Manager von Livedoor bereits zuvor schuldig bekannt. Horie drohen bei einer Verurteilung bis zu fünf Jahre Haft. Das Urteil wird für nächstes Jahr erwartet.
Der Skandal ist auch für den scheidenden japanischen Regierungschef Junichiro Koizumi blamabel. Er hatte erst vor einem Jahr eine Kandidatur Hories für das Parlament in Tokio unterstützt. Horie, der als unabhängiger Kandidat angetreten war, scheiterte damals allerdings mit seinem ersten Anlauf für eine politische Karriere. Das öffentliche Interesse an Hories Gerichtsauftritt war riesig. Fast 2000 Schaulustige waren erschienen, der Saal bot aber nur Platz für 61 Zuschauer.
Hayo Lücke
/ afp