<i>Ein Kommentar von Tobias Capangil mit Material von afp</i>
Erst vier Jahre ist es her, dass Ron Sommer den Chefsessel bei der Telekom räumen musste. Kai-Uwe Ricke droht nach den schwachen Ergebnissen im zweiten Quartal das gleiche Schicksal. Es sei denn, er kann alle davon überzeugen, dass der rosa Riese auf dem richtigen Weg ist: den Aufsichtsrat, die Großaktionäre - aber vor allem die Kunden. Denn die laufen dem Ex-Monopolisten in Scharen davon. Um das zu ändern, versucht es der 44-jährige Ricke mit neuen "Billigtarifen", die für viele Kunden keine sind.
Geträumte 40 Euro
Ein Pauschalangebot von 49,95 Euro für Telefon und unbegrenztes DSL-Surfen soll den Kundenschwund im Festnetz stoppen und Marktanteile bei DSL sichern. Vor nicht allzu langer Zeit war sogar von nur 40 Euro die Rede - wenn auch für Einsteiger. Doch unter einer Kampfansage an die Konkurrenz haben sich manche etwas anderes vorgestellt: Ricke ist weder der erste noch der billigste. Konkurrenten wie freenet und 1&1 liegen bereits mit ihren Komplettpaketen auf der Lauer, Arcor und HanseNet berechnen rund 45 Euro. Selbst wenn viele Provider derzeit noch keine eigenen Telefonanschlüsse anbieten und sich deshalb nicht von den Vorleistungen der Telekom lösen können, ist die Konkurrenz oft nicht nur schneller, sondern auch günstiger - das gilt insbesondere für lokale Anbieter.
Gefahr durch Mobilfunk
"Ich gestehe, dass wir mit der Intensität des Wettbewerbs in Deutschland (...) nicht gerechnet haben", musste Ricke kürzlich einräumen. Der Verlust von rund einer Million Kunden habe die Telekom überrascht. Nanu? Hatte der Vorstandsvorsitzende nicht schon im März vergangenen Jahres von den Gefahren des Ersatzes des Festnetzes insbesondere durch das Handy gesprochen? Die Branche stehe vor "gewaltigen Umbrüchen, bei denen kaum ein Stein auf dem anderen bleiben wird", sagte er im November mit Blick auf die Breitbandtechnologie. Hat Ricke seine eigenen Warnungen nicht ernst genommen?