Rund 85 Prozent der Telefonate übers Internet entsprechen Festnetz-Qualität. Nur noch eines von 50 VoIP-Gesprächen hat heute eine unannehmbare Sprachqualität. Das zumindest stellt der Kanadische
VoIP-Qualitätstester
Minacom in seiner aktuellen Studie fest. Dem widerspricht allerdings
Brix Networks, ein Unternehmen aus den USA, das sich ebenfalls mit VoIP-Tests beschäftigt. Hier kommt man rund
einen Monat zuvor zum Ergebnis, dass die VoIP-Qualität immer weiter sinkt. Bereits eines von fünf Gesprächen übers Datennetz soll qualitativ inakzeptabel sein.
VoIP schafft Festnetz-Standard
Minacom hat über die vergangenen zwölf Monate die Ergebnisse ihres Testsystems für die VoIP-Qualität ausgewertet. Dabei habe sich ergeben, dass die Sprachqualität im vergangenen Jahr konstant gestiegen sei. Der durchschnittliche Wert der Beurteilung (Mean Opinion Score = MOS) lag bei 4,2, wobei die Skala von eins für schlecht bis fünf für sehr gut reicht. Im gleichen Zeitraum habe es das klassische Festnetz nur auf die Note 3,9 gebracht. Nimmt man 3,6 als Wert, ab dem eine Verbindung als akzeptabel gesehen wird, so ergibt sich, dass nur noch eines von 50 Telefonaten schlecht abschneidet. Und mehr noch: bei VoIP sollen mittlerweile auch die Verbindungen schneller zustande kommen als im Festnetz. Durchschnittlich dauert es 8,2 Sekunden, bis ein Anruf übers IP-Netz vermittelt ist – beim Festnetz dauert es hingegen 8,9 Sekunden.
Sprachqualität sinkt/steigt
Rund einen Monat zuvor kam Brix Networks hingegen zum Ergebnis, dass im vergangenen Jahr die Sprachqualität bei VoIP kontinuierlich gesunken ist. Mittlerweile sei die Verbindung bei fast 20 Prozent der Gespräche übers Internet schlecht. Rund eine Million Tests seien von Nutzern seit März 2004 über das kostenlose Online-Angebot TestYourVoIP.com durchgeführt worden. Anhand der Berechnung des MOS ergibt sich hier, dass eines von fünf Telefonaten nicht die Zufriedenheitsmarke von 3,6 erreicht.
In den vergangenen zwei Jahren ist der globale Markt für VoIP-Services bis auf nahezu 20 Millionen Nutzer gestiegen. Die Ergebnisse von TestYourVoIP.com zeigen, dass im gleichen Zeitraum die Sprachqualität im Internet abgenommen hat", sagt Kaynam Hedayat von Brix Networks. Zukünftig sollten Carrier daher besonderen Wert auf den Ausbau ihrer Infrastruktur in diesem Bereich legen. Minacom führt die Unterschiede in den Ergebnissen darauf zurück, dass Brix nur PC-zu-PC Verbindungen untersucht habe, wie sie von Skype, Google Talk, MSN und Yahoo Messenger angeboten werden. Deren Qualität und Zuverlässigkeit sei aber nicht vergleichbar mit den Services, wie sie DSL- oder Kabelnetzbetreiber anbieten würden.
Zudem unterliege die Qualität von PC-zu-PC Verbindungen verschiedenen Einflussfaktoren, die vom jeweiligen Umfeld abhingen. So können Firewall-Einstellungen, die Auslastung des Rechners, Antivirenprogramme und die individuelle Bandbreite können die Sprachübertragung negativ beeinflussen. VoIP vom Service-Provider würde hingegen über Systemausstattung mit dem Standard eines TK-Unternehmens realisiert, nutze
Codecs für eine hohe Komprimierung und werde beim Transport übers Netz gesondert vom regulären Internet-Verkehr bevorzugt behandelt.