Der DSL-Anbieter United Internet ist offenbar aus dem
Bieterwettkampf um das zum Verkauf stehende Deutschlandgeschäft von AOL ausgestiegen. Wie die Zeitung "Die Welt" in ihrer morgen erscheinenden Ausgabe berichtet, soll United Internet kein Interesse mehr an dem Onlinedienst haben.
Tiscali statt AOL
Das Unternehmen aus Montabaur habe seine Termine mit dem AOL-Management abgesagt. United Internet, das unter anderem mit den Marken "1&1" und "GMX" am Markt ist, wolle sich stattdessen auf den Erwerb des kleineren Anbieters Tiscali konzentrieren. Erst vor kurzem war bekannt geworden, dass auch die Deutschland-Tochter des italienischen Onlinedienstes
verkauft werden soll.
Alles nur Preistreiberei?
United Internet liegt derzeit auf dem deutschen DSL-Markt auf Platz zwei, allerdings mit sehr deutlichem Abstand zur Deutschen Telekom. Mit dem Erwerb des Deutschlandgeschäfts des US-Internetriesen AOL hätte United Internet seine Position erheblich ausbauen können. In Verhandlungskreisen war laut "Welt" jedoch von Anfang an vermutet worden, United Internet habe sein Interesse an AOL nur vorgetäuscht. Da einige direkte Konkurrenten an AOL interessiert seien, habe United Internet nur den Verkaufspreis nach oben treiben wollen.
Mit dem mutmaßlichen Ausstieg von United Internet aus dem Bieterkampf würde sich der Kreis der Interessenten auf nunmehr vier reduzieren. Dies sind KPN, Telecom Italia ("Alice"), Versatel und freenet.de. Der AOL-Mutterkonzern Time Warner hofft, durch den Verkauf bis zu 600 Millionen Euro einzunehmen.
Hayo Lücke
/ afp