Der niederländische Arznei-Versandhändler DocMorris will neben seiner Vor-Ort-Apotheke in Saarbrücken keine weiteren Geschäfte in Deutschland eröffnen. Mit dem Urteil des Landgerichts von der vergangenen Woche, das den Betrieb der DocMorris-Apotheke bis auf Weiteres
erlaubt hatte, habe seine Firma bereits ihr Ziel erreicht, einen Standort in Deutschland zu haben, sagte der Firmen-Mitbegründer Ralf Däinghaus im Deutschlandradio. Zugleich bezeichnete er die Gründung von Apotheken-Ketten in Deutschland als künftig unvermeidbar.
Medikamente bleiben
Die Befürchtungen, dass dadurch das Angebot an Medikamenten reduziert werden könne, wies Däinghaus zurück: "Ein Apother muss jedes Rezept, das bei ihm eingereicht wird, bedienen." Dieser so genannte Kontrahierungszwang gelte für DocMorris ebenso wie für alle anderen Apotheken.
Gegen die DocMorris-Niederlassung in Saarbrücken sind noch weitere Klagen vor dem Verwaltungsgericht Saarlouis anhängig. Das Landgericht Saarbrücken genehmigte den Betrieb der Niederlassung lediglich unter wettbewerbsrechtlichen Gesichtspunkten. Der Streit dreht sich im Kern um das in Deutschland geltende "Fremdbesitzverbot". Danach muss eine Apotheke vom Inhaber persönlich geführt werden. Ein angestellter Apotheker reicht nicht aus, selbst wenn er eine entsprechende Zulassung besitzt. Daher ist bislang allenfalls der Betrieb von bis zu vier regionalen Filialen möglich.
Der saarländische Gesundheitsminister Josef Hecken (CDU) hatte DocMorris den Betrieb der Apotheke in Saarbrücken dennoch erlaubt. Hecken beruft sich auf die im europäischen Recht verankerte Niederlassungsfreiheit.
Deutsche wollen mehr Wettbewerb
Die große Mehrheit der Verbraucher in Deutschland wünscht sich mehr Wettbewerb zwischen den Apotheken. Wie eine Forsa-Umfrage im Auftrag des Hamburger Magazins "stern" ergab, befürworten fast Dreiviertel (73 Prozent) eine Liberalisierung. Gegen eine Öffnung des Apothekenmarkts sind 24 Prozent, drei Prozent konnten sich in der Umfrage nicht entscheiden. Forsa befragte 1007 repräsentativ ausgewählte Bundesbürger.
Hayo Lücke
/ afp