Mittwoch, 26.07.2006 20:52

DSL-Provider getacom ist pleite

aus dem Bereich Breitband
Es hätte alles so schön werden sollen. Mit großen Ambitionen war die bisher vorrangig als DSL-Provider agierende getacom ltd. vor gut zwei Wochen in den VoIP-Markt gestartet. Dabei ließ das Unternehmen vollmundig durchblicken, große Ziele zu verfolgen. Zur weltweiten Nummer drei auf dem Markt der Internet-Telefonie wollte getacom-Geschäftsführer Patrick Landrock sein Unternehmen führen, was in der Branche nur mit einem müden Lächeln aufgenommen wurde. Und tatsächlich wird aus diesen Plänen nichts werden: getacom ist pleite und wird in den kommenden Tagen beim zuständigen Amtsgericht Stuttgart einen Insolvenzantrag stellen.

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Stockende Unternehmensentwicklung

In einer offiziellen Stellungnahme auf der erst kürzlich komplett neu gestalteten Internetseite heißt es, dass in den vergangenen Tagen die "Unternehmensentwicklung ins Stocken geraten" sei. Tatsächlich zeichnete sich aber schon seit mehreren Wochen ab, dass getacom das Wasser bis zum Hals steht. Auch wenn getacom grundsätzlich damit warb, DSL-Poweruser nicht in ihrer Nutzung einzuschränken, klagten zahlreiche User über Performance-Einbrüche und machten ihrem Unmut unter anderem in unserem Forum Luft.

Branchenkenner erklärten gegenüber onlinekosten.de, dass vermutlich nicht getacom selber die Leitungen der User drosselte, sondern der Zulieferer ncore zu dieser Notlösung griff. Möglicherweise aufgrund ausbleibender Zahlungen seitens getacom. Wie es heißt, sind insgesamt etwa 4.000 DSL-Kunden von der Pleite betroffen.

ncore übernimmt Bestandskunden

DSL-Bestandskunden von getacom soll durch die ncore GmbH ein Übergangs-Angebot unterbreitet werden. Das getacom-Zugangskonto und die zum Teil geschalteten festen IP-Adressen sollen sich dadurch nicht ändern. Voraussetzung sei allerdings, dass ein neuer Vertrag ohne Mindestvertragslaufzeit mit ncore geschlossen werde. Zu Details war ncore am heutigen Abend nicht mehr zu erreichen, hat aber nach getacom-Angaben eine Hotline unter der Rufnummer 0231-55751010 eingerichtet.

Alle Kunden, die im Voraus Geld an getacom überwiesen haben, werden gebeten schriftlich eine genaue Aufstellung über die zuviel bezahlten Gebühren an getacom zu senden. Dazu zählen auch VoIP-Kunden, die in Kürze ein neues Angebot von einem anderen Provider erhalten sollen. Ob tatsächlich eine Rückzahlung erfolgen wird, muss allerdings in Frage gestellt werden. Vermutlich ist der veröffentlichte Hoffnungsschimmer ein letzter Versuch von getacom-Chef Landrock den eigenen Kopf noch aus der Schlinge zu ziehen.
Hayo Lücke
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