Dienstag, den 19.09.2006 12:05

Handy-TV: Führer durch den Technik-Dschungel

aus dem Bereich Mobilfunk
Das Handy ist ein mobiles Multifunktionsgerät. Moderne Mobiltelefone sind eine Art Mädchen für alles: Neben Telefon und SMS auch Internet- und E-Mail-Terminal, MP3-Player, Kamera und Taschenkino. Fehlt eigentlich nur noch das Fernsehen. Und auch dafür halten die Hersteller bereits einige Lösungen bereit, die den mobilen TV-Genuss auf dem Handy ermöglichen.

Doch welcher Standard ist der Sinnvollste für Fernsehen auf dem Handy? Zurzeit konkurrieren drei Standards um die Gunst des Kunden: UMTS, DVB-H und DMB. Das Ergebnis aller drei Formate ist immer das Gleiche, auf dem Handy-Display erscheint ein Fernsehbild. Dennoch unterscheiden sich die Standards massiv - sowohl in ihren Möglichkeiten, als auch in ihren Kosten.

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DVB-H: Einfach und kostenlos

DVB steht für "Digital Video Broadcasting". Der Standard dürfte Nutzern von Antennen- und Satellitenfernsehen bereits ein Begriff sein: Seit einiger Zeit lassen sich Fernsehprogramme via Satellit oder Antenne nur noch mit Hilfe eines DVB-Decoders empfangen. Bei Satelliten heißt der Standard DVB-S, das "S" steht für "Satellite". Antennen-Nutzer müssen sich mit dem Standard DVB-T anfreunden. Das "T" steht für "terrestrisch". Kabelanschlüsse werden über DVB-C ("Cable") mit digitalen Fernsehbildern versorgt.

Nun also auch die Handy-Nutzer. DVB-H heißt der Standard, Digitales Video-Broadcasting für Handhelds, also mobile Kompaktgeräte wie Handys und PDAs. DVB-H ist eine abgespeckte Variante des DVB-T-Standards. Genau wie DVB-T wird DVB-H terrestrisch, wird also von Sendemasten ausgestrahlt. Identisch mit DVB-T ist auch die Programmkapazität: 24 Programme lassen sich über das Netz ausstrahlen. Welche das letztlich sein werden, hängt vom Netzbetreiber ab. Bisher ist noch kein kommerzielles DVB-H-Angebot gestartet. Es fehlen die dafür notwendigen Lizenzen. Die vier deutschen Netzbetreiber wollen aber sobald wie möglich loslegen.

Der Unterschied zu DVB-T ist vor allem die Auflösung: Während bei DVB-T sogar HD-Auflösung von 1920 mal 1080 Pixeln nach dem 1080i-Standard möglich ist, muss DVB-H mit maximal 320 mal 240 Pixeln auskommen. Das hält die Datenraten gering und erlaubt gleichzeitig eine angepasste Darstellung für kleine Bildschirme, statt das Mobilgerät mit der Kleinrechnung der Videodaten in die Knie zu zwingen.

Als voll durchstandardisiertes Verfahren ist DVB-H bereits am Ende der Probephase. In Italien wird das digitale Handy-TV bereits im Regelbetrieb angeboten, die Vereinigten Staaten folgen in Kürze. Deutschland soll nach dem Willen der Netzbetreiber noch 2007 mit dem Handy-Fernsehen versorgt werden. Die Abdeckungsrate wird der von DVB-T entsprechen, also hauptsächlich in Ballungsgebieten verfügbar sein. Es ist noch unklar, ob die Anbieter die DVB-Dienste verschlüsseln und gegen Grundgebühr zur Verfügung stellen werden, sicher ist jedoch, dass DVB-H nur über einseitige Kommunikation vom Sender zum Empfänger verfügt. Zusatzdienste wie E-Mail oder Internet werden dadurch unmöglich.
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