Freitag, 21.07.2006 08:23

Joystick-Junkies auf Entzug

aus dem Bereich Sonstiges
Stundenlang hat Tim noch vor kurzem täglich vor seinem Computer gesessen und gespielt. "In der Schule war ich der Dicke, den niemand leiden konnte. Also bin ich nach Hause gegangen und habe mich vor den Computer gesetzt, um zu spielen", erzählt der 21-Jährige aus Utrecht, der schon mit neun Jahren seinen ersten Rechner hatte. Zum Schluss verbrachte er 20 Stunden am Tag mit Spielen: Kriegsspiele voller Gewalt, zum Teil auch Nazi-Spiele. "Leute zu erschießen, auf ihren Kopf zu zielen, im Panzer über Häuser zu rollen - das war meine Realität. Wenn ich einen Joystick sehe, kribbelt es mir noch immer in den Fingern", sagt er. Einen Monat Therapie in einer Amsterdamer Spezialklinik für Suchtkranke hat er jetzt schon hinter sich.

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Ein typisches Bild

Als er noch Computer spielte, ging Tim nie vor vier Uhr morgens ins Bett. Kokain, Haschisch und Ecstasy halfen ihm, diesen Rhythmus durchzuhalten. "Morgens bin ich aufgestanden, dann hab ich mir die Drogen besorgt, und ab elf Uhr habe ich vor dem Rechner gesessen." Da blieb er dann bis zum frühen Morgen des nächsten Tages. Er habe nicht einmal die Fensterläden aufgemacht, erzählt Tim. Sein Zimmer sei ein einziges Schlachtfeld gewesen, überall lagen leere Pizzakartons und leere Flaschen. "Ich bin nicht mal mehr aufgestanden, um auf die Toilette zu gehen. Ich habe einfach in eine große Flasche gepinkelt, ohne mit dem Spielen aufzuhören."

Seine Eltern waren wie gelähmt vom Verhalten ihres Sohnes. Und mit seinen 139 Kilo Gewicht war Tim auch niemand, dem man so einfach die Leviten lesen konnte. Die Eltern machten sogar die Hausaufgaben für ihn. Aber dann hatten sie irgendwann genug: Sie stellten ihn vor die Wahl, in die Klinik zu gehen oder auf der Straße zu landen. Ihr Sohn entschied sich für die Therapie und wurde der erste Patient mit Videospielsucht in der Spezialklinik Smith and Jones.
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