Mittwoch, 12.07.2006 14:32

Roaming: EU geht Wucherpreisen an den Kragen

aus dem Bereich Mobilfunk
Millionen Touristen und Geschäftsreisende in der EU sollen künftig deutlich weniger für ihre Handy-Telefonate im Ausland zahlen. Die EU-Kommission beschloss heute eine Verordnung, die Mobilgespräche im Ausland bis zu 70 Prozent günstiger machen soll.

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Unter Vorbehalt

"Mit unserem heutigen Vorschlag werden Verbraucher, die Mobiltelefone innerhalb des Binnenmarktes benutzen, fairer behandelt", erklärte Kommissionspräsident José Manuel Barroso. Grundprinzip ist, dass die Entgelte im EU-Ausland nicht unvertretbar höher sein dürfen als im Heimatland des Nutzers. Die Verordnung soll ab kommendem Sommer gelten, allerdings müssen EU-Parlament und Mitgliedstaaten zuvor zustimmen.

Hohes Sparpotenzial

"Jahrelang waren die Mobilfunk-Roamingentgelte trotz wiederholter Warnungen an die Branche ungerechtfertigt hoch", kritisierte die zuständige Kommissarin Viviane Reding. Betroffen sind nach Berechnungen der Behörde rund 147 Millionen Europäer pro Jahr - 37 Millionen Touristen und 110 Millionen Geschäftskunden. Die Gesamtersparnis für die Kunden schätzt die Kommission auf bis zu fünf Milliarden Euro.

Im einzelnen sieht die Verordnung vor, dass die Kosten für die Einwahl in ein ausländisches Mobilfunknetz begrenzt werden. Eine solche Obergrenze solle sowohl für Großkundenentgelte - die sich die Mobilfunkunternehmen untereinander in Rechnung stellen - als auch für die Verbraucherpreise gelten. Bei den Endverbrauchern sollen sowohl die Kosten für selbstgewählte Telefonate als auch für angenommende Anrufe gedeckelt werden. Ursprünglich hatte die EU für letzteren Fall allerdings erwogen, dass dafür wie im Inland gar keine Kosten anfallen dürfen. Zudem soll für die Kostenbegrenzung der abgehenden Gespräche den Unternehmen eine zusätzliche Übergangsfrist von sechs Monaten nach Inkrafttreten der Verordnung eingeräumt werden.

Auch in anderen Bereichen kam Reding der Telekom-Branche, die seit Wochen gegen die Roaming-Pläne der Kommission Sturm läuft, aber ihrerseits Zugeständnisse anbot, entgegen: So ließ sie ihr ursprüngliches Vorhaben fallen, wonach ein Ausländer stets nur den Telefonpreis zahlen muss, den auch ein heimischer Mobiltelefonierer bekommt. Ein Franzose hätte demnach mit seinem französischen Handy in Berlin zum selben Preis ein Ortsgespräch führen können wie ein Berliner Bürger.

Preise runter, Preise rauf

Die Kosten für Handy-Gespräche im Ausland übersteigen jene im Inland seit langem teils um ein Vielfaches. Auf Druck Brüssels hatten große Mobilfunkkonzerne wie T-Mobile und Vodafone ihre Roaming-Gebühren zuletzt gesenkt. Der EU-Kommission geht dies aber nicht weit genug. Die Telekom-Lobby warnte dagegen, die Unternehmen würden notfalls die Inlandspreise erhöhen, um die fehlenden Roaming-Gewinne auszugleichen.
Hayo Lücke / afp
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