Montag, 19.06.2006 08:49

Bieterkampf um AOL Deutschland entbrannt

aus dem Bereich Breitband
Jetzt also auch Versatel! Nach freenet.de und Telecom Italia hat jetzt auch Deutschlands drittgrößter Festnetzanbieter eine Übernahme des zum Verkauf stehenden Deutschland-Geschäfts von AOL in Erwägung gezogen. "Wir sind natürlich interessiert", sagte Versatel-Chef Peer Knauer der "Financial Times Deutschland" (FTD).

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Versatel soll wachsen

Der Manager habe sich zum Ziel gesetzt, sein Unternehmen auch durch Zukäufe bis 2009 zur zweitgrößten Festnetzfirma hinter der Deutschen Telekom zu machen. Dazu müsste Versatel allerdings noch einiges tun: Ende 2005 brachte es das Unternehmen auf 530.000 Kunden. Für 2006 rechnet Knauer mit bis zu 250.000 Neukunden. Deutschlands zweitgrößter Telekommunikationskonzern Arcor konnte Ende März 2006 1,45 Millionen Kunden verzeichnen. Zu konkreten Verhandlungsdetails in Bezug auf eine mögliche AOL-Übernahme machte Knauer keine Angaben.

Wer auch immer das Deutschland-Geschäft des US-Medienkonzerns Time Warner kaufen wird, darf sich auf über eine Millionen DSL-Kunden freuen. Eine Größe, die die Gewichte auf dem deutschen Breitbandmarkt maßgeblich verschieben dürfte. Wie es weiter heißt, sollen neben Versatel, freenet.de und Telecom Italia auch die 1&1-Mutter United Internet sowie etliche weitere Telekom-Unternehmen Interesse an AOL haben.

Marke AOL bleibt bei Time Warner

Nach Informationen aus informierten Kreisen ist die Frist, in der potenzielle Bieter Interesse bekunden konnten, inzwischen abgelaufen. Aus der Liste der rund zehn eingegangenen Gebote für AOL Deutschland würden Time Warner und die Investmentbank Citigroup bis Anfang Juli eine Auswahl treffen, hieß es. In einer zweiten Runde erhalten die verbleibenden Kaufkandidaten dann Zugriff auf vertrauliche Geschäftsdaten. Zur Disposition steht nach Aussage von AOL-Chef Jonathan Miller nur das Anschlussgeschäft. Marke und Webportal wolle Time Warner behalten.

Für das deutsche Geschäft wolle Time Warner 600 Millionen Euro erwirtschaften, berichtet die Zeitung weiter. Das entspräche dem zwölffachen des Ergebnisses vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA), sagte eine mit dem Vorgang vertraute Person. "Der Preis ist sportlich", meinte ein Branchenkenner mit Hinblick auf die relativ hohe Bewertung. Die meisten der eingegangenen Gebote sollte nach Informationskreisen zwischen 500 und 600 Millionen Euro liegen.
Hayo Lücke
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