GTA San Andreas war eines der erfolgreichsten
Computer-Spiele 2005. Doch nicht nur Grafik und Gameplay sorgten für Aufsehen – auch ein verborgenes
Sexspielchen. Wer sich den "Hot Coffee" Mod installierte, erhielt ungeahnt tiefe Einblicke in das Liebesleben des Game-Protagonisten CJ und seiner Freundin. Zwar waren diese Intimitäten nicht im normalen Spielverlauf zugänglich, sondern mussten erst mit der im Internet verbreiteten Software frei geschaltet werden. Die Entwickler hatten ihr Ghetto-Abenteuer nach Ansicht konservativer US-Politiker damit jedoch zu scharf gewürzt. Die
Federal Trade Commission (FTC) kam jetzt zu einem abschließenden Urteil in Sachen Cyber-Sexskandal.
Mit verstecktem Sex betrogen
Demnach haben die GTA-Macher von Rockstar Games Inc. und der Publisher Take2 wichtige Informationen über das Spiel zurückgehalten, indem sie die versteckten Inhalte nicht von vornherein bekannt gemacht haben. So hätten die beiden Unternehmen das Industrie-eigene System zur Bewertung von Inhalten untergraben und die Verbraucher betrogen. Die US-Behörde "Entertainment Software Rating Board" (ESRB) hatte die Altersfreigabe von GTA San Andreas zunächst auf "Mature" eingestuft, was das Spiel für Jugendliche ab 17 Jahren zugänglich machte. Die Entdeckung des schlüpfrigen Zwischenspiels schlug wegen angeblicher Jugendgefährdung jedoch in den USA so hohe Wellen, dass die ESRB das Spiel nachträglich nur noch für Erwachsene frei gab. Als Reaktion darauf entfernten zahlreiche Händler GTA San Andreas aus ihren Regalen.
Teure Spiel-Entschärfung
Zu guter Letzt mussten die GTA-Entwickler einen Patch zur Verfügung stellen, der bereits gekaufte GTA-Versionen
entschärft. Noch nicht verkaufte Spiele wurden vom Markt genommen oder erhielten neue Aufdrucke, die vor dem umstrittenen Inhalt warnten. Schließlich gab es eine zweite Ausgabe, die dann um die kritischen Szenen beschnitten war. Laut Publisher Take2 kostete es das Unternehmen rund 24,5 Millionen US-Dollar (rund 19,4 Millionen Euro), GTA San Andreas die heimliche Liebe auszutreiben.
Die FTC stellt nun klar, dass solche Mini-Games zukünftig klar auf der Verpackung und in jeder Werbung ersichtlich sein müssen – egal, ob sie von vornherein frei geschaltet sind oder Patches den Zugang öffnen. Außerdem müssen die für Altersbeschränkungen zuständigen Behörden über derlei Inhalte informiert werden. Dank der ohnehin hohen Verluste, die die GTA-Macher durch die Affäre eingefahren haben, verzichtete FTC auf weitere Bestrafung – zumindest dieses Mal. Sollten die Unternehmen jedoch noch mal gegen diese Auflagen verstoßen, müssen sie kräftig bluten: für jeden Verstoß drohen den Spieleschmieden dann 11.000 US-Dollar (rund 8.700 Euro) Strafe.