Donnerstag, 08.06.2006 14:35

Groß angelegter VoIP-Betrug aufgedeckt

aus den Bereichen Breitband, VoIP
Der Großhandel mit Gesprächsminuten blüht, immer mehr VoIP-Anbieter feilschen mit den Netzbetreibern um die günstigsten Preise für die Vermittlung der Telefonate ihrer Kunden. Aber warum um Hundertstel Cent streiten, wenn man die Leistung auch ganz kostenlos haben kann? Das dachte sich wohl der Mann aus Miami, den das FBI heute am frühen Morgen (Ortszeit) wegen Betrugs festgenommen hat, wie die US-Bezirksstaatsanwaltschaft im Distrikt New Jersey bekannt gibt.

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Unerlaubte Vermittlung

Mehr als zehn Millionen Gesprächsminuten soll der 23-jährige Edwin Andres P. zum Dumping-Preis verkauft haben. Günstige Konditionen konnte er problemlos anbieten, schließlich sparte er bei den Netzbetreibern: statt die Gesprächsminuten, wie im Resale-Geschäft üblich, zu Großhandelspreisen einzukaufen, schickte er die Gespräche seiner Kunden einfach ungefragt über die fremden Netze. Einem Unternehmen aus Newark, soll durch P. ein Schaden von mehr als einer halben Million unautorisiert über ihr Netz gerouteten Gesprächen entstanden sein.

Den Zugriff auf die Netzwerke der Unternehmen ermöglichte laut der Behörde ein Mitstreiter des Verdächtigen. Der professionelle Hacker aus Spokane, Washington soll nationale und internationale Netze auf Schwachstellen gescannt haben, um darüber die Gespräche routen zu können.

Bisschen Luxus muss sein

Während die Kunden des Verhafteten brav ihre geführten Telefonate bezahlten, sparte sich dieser so die Rechnungen der Netzbetreiber. Das Geschäft war lukrativ: mehr als eine Million US-Dollar (gut 780.000 Euro) sollen Kunden auf verschiedene seiner Konten überwiesen haben. Um die Einkünfte aus dem Hack zu vertuschen, gönnte sich P. ein bisschen Luxus, wie neue Autos und ein zwölf Meter langes Motorboot. Den neuen Besitz registrierte er auf den Namen einer anderen Person - bis auf einen neuen Wagen. Ein Auto kassierte dann auch direkt das FBI: bei den Durchsuchungen in Florida, New Jersey, Washington, Illinois, Texas und California beschlagnahmten die Beamten einen aufgemotzten BMW M3, Baujahr 2004.

Sollte das Gericht P. schuldig sprechen, kann er sich vom Leben im Luxus erstmal verabschieden. Für den Online-Betrug winken ihm im Höchstfall bis zu 20 Jahre Gefängnis und 250.000 US-Dollar (195.152 Euro) Strafe. Der Hackerangriff bringt noch mal bis zu fünf Jahren Haft und ebenfalls 250.000 US-Dollar. Der Fall wird von der zuständigen Bezirksstaatsanwaltschaft und der Abteilung für Computer Hacking und geistiges Eigentum weiter verfolgt.
Aleksandra Leon
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