Samstag, 29.07.2006 15:19

Dauertest: Nokia 9500: WLAN-Märtyrer aus Gasbeton

aus dem Bereich Mobilfunk
Ja, ich weiss, was Sie jetzt denken: ein Handytest über den Nokia 9500 Communicator? Und dann noch ein Langzeittest? Ist dieser Backstein überhaupt ein Handy, bei den Dimensionen? Da muss beim Tester doch eine masochistische Ader vorhanden sein! Aber Sie irren - dieses Gerät hat mich im Testzeitraum, der sich immerhin über ein Jahr erstreckte, vollends überzeugt. Ein Backstein mit WLAN - das ist wirklich einzigartig. Doch der Reihe nach.

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Vergangenheit…

Ich bin seit fast zehn Jahren ein grosser Communicator-Fan. Den ersten Brocken erhielt ich 1997, nachdem das Gerät mit der Produktbezeichnung "9000" bereits 1996 auf der CeBIT für Furore gesorgt hatte. Ich war glücklich, einer der ersten sein zu können, die die verbesserte Version "9000i" geliefert bekamen. Mein örtlicher Hemd- und Hosendealer war ebenfalls glücklich. Denn mit geschmeidigen 397 Gramm lag das Telefon eher wie eine Telefonzelle in der Tasche und half unermüdlich bei der frühzeitigen Abnutzung meiner Kleidung.

comm-front.jpg Auch eine spezielle Handytasche am Gürtel half nicht wirklich weiter: jeder Handwerker, der sich einen Zimmermannshammer ins Werkzeugholster schiebt, weiss, wovon ich rede. Die Trageweise in einer Sakkoinnentasche verbat sich aufgrund der Grösse und des Gewichts sowieso. Es sei denn, man wollte den disqualifizierenden Eindruck erwecken, seine Mitmenschen erscheinungsbildmässig zu beleidigen. Es kehrte schließlich und endlich dann doch – nach vielen verschiedenen kreativen Lösungsansätzen, die allesamt kläglich scheiterten - eine Art Wild-West-Tragestil am Gürtel ein, der für schief hängende Hosen sorgte, gepaart mit dem zeitweiligen Verstecken des Gerätes in tiefen Jackeninnentaschen oder im Rucksack. So ging es irgendwie. Der Communicator trug sich im Winter unter der Daunenjacke am besten, doch dort war zugleich am schlechtesten zu vernehmen, dass jemand anrief. Aufgrund dieser Praxisinkompatibilität löste ein kleineres Nokia-Handy den Communicator nach wenigen Monaten als Erstgerät ab. Der Knochen hatte mich in punkto Alltagstauglichkeit so verschreckt, dass ich etwas später dem Nokia 8310 am längsten die Treue hielt. Damals wollte man schließlich vor allem noch telefonieren und nicht surfen, faxen oder Multiplayergames zocken. Grösser ist doch nicht immer besser.

…und Gegenwart

Mit dem Nokia 9500 wurde mein Interesse wieder geweckt. Kleiner, leichter, in Farbe und mit WLAN? Das kann diesmal nur gut werden, so der Gedanke. Daher wurde das Gerät kurz nach seinem Erscheinen auch gleich geordert. Und der erste Eindruck war wirklich gut: edles Aussehen, hochwertige Verarbeitung, gute Haptik, deutlich verringertes Gewicht und ein gestochen scharfes Display begeisterten von Anfang an und verdrängten die Traumata der Communicator-Frühzeit.
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