In Sachen Bundesliga-Übertragungsrechte geht es langsam ans Eingemachte: während die Telekom nach Informationen der BILD-Zeitung Franz Beckenbauer als
Fach-Kommentator für die eigenen Übertragungsrechte gewinnen will, geht auch der Pay-TV-Sender Premiere aus der bisherigen Defensive in die kontrollierte Offensive über. Auf der Hauptversammlung in München zeigte sich Premiere-Boss Dr. Georg Kofler einmal mehr überzeugt, auch in der kommenden Saison Bundesliga-Fußball übertragen zu können.
Pay-TV-Wunder brauchen länger
Indirekt griff er den neuen Konkurrenten arena, der Kunden mit günstigen Einsteigerpreisen gewinnen möchte, scharf an. Auch Premiere habe jahrelang versucht, Bundesliga-Fußball sowie das gesamte Premiere-Sport-Angebot für weniger als 20 Euro monatlich zu verkaufen. "Meistens haben wir auch noch einen Receiver kostenlos dazugegeben. Ein Jahr lang war sogar die Perle der Bundesliga-Berichterstattung – die Live-Konferenz – für fünf Euro monatlich im Premiere Start Paket zu haben." Genutzt habe das aber wenig. "Der Ansturm des Millionenpublikums ist dennoch ausgeblieben", so Kofler. Weiter sagte er: "Pay-TV-Wunder brauchen eben etwas länger, und manchmal treten sie gar nicht ein."
Recht ausführlich nahm der Premiere-Boss Stellung zu dem entbrannten
Streit um die Übertragungsrechte auf Basis des IP-Standards. Die Deutsche Telekom hatte sich die Internet-Rechte gesichert und will offensichtlich in Zusammenarbeit mit Premiere die IP-Daten nicht nur auf Computer-Bildschirme übertragen, sondern auch auf herkömmliche Fernseher. Kofler sieht dieser Strategie zuversichtlich entgegen. Im Ausschreibungsverfahren habe die Deutsche Fußball Liga ein- und dieselben Live-Rechte gleich zweimal ausgeschrieben – und auch zweimal verkauft. "Einmal für das herkömmliche Fernsehen, analog und digital, und ein zweites Mal für die Übertragung im neuen Fernsehstandard des Internet Protokolls".
Kofler sieht Telekom im Recht
Die DFL bestreitet diese Interpretation vehement, um die Exklusivrechte von arena zu wahren. Kofler will dies aber nicht akzeptieren. Der Formulierung des Ausschreibungstextes sei "klipp und klar" zu entnehmen, "dass eine Übertragung des Bildmaterials auf Basis des Internet-Protokoll-Standards auch über Kabel, Satellit und terrestrisch möglich" sei. Einschränkungen irgendwelcher Art zu diesen IP-Übertragungen seien in der Ausschreibung nicht zu erkennen gewesen. Ergänzend fügte er hinzu, dass Ausschreibungsbedingungen nicht im Nachhinein verändert oder neu interpretiert werden könnten, ohne dass der gesamte Bieterprozess zu hinterfragen wäre.
Nach wie vor sei der Vorstand von Premiere sehr zuversichtlich, bei der Fußball Bundesliga im Spiel zu bleiben. "Aufgrund fortgeschrittener Verhandlungen sehen wir heute gute Chancen, dass Premiere mit einem neuen Partner als Lizenzgeber auch ab der kommenden Saison die Live-Berichterstattung von der Fußball Bundesliga präsentieren kann", erklärte Kofler wie schon vor einer Woche bei der
Verkündung der Quartalszahlen.