Wenn es um Alternativen zu schnellen DSL-Anschlüssen geht, stehen Kabel-Internet und UMTS im Kundeninteresse aufgrund der technischen Verfügbarkeit bei vielen Deutschen hoch im Kurs. Eine technik, die bisher noch nicht aus seinen Kindheitsschuhen entwachsen ist, ist der so genannte
Worldwide Interoperability for Microwave Access. Kurz:
WiMAX. Obwohl der Standard
802.16e festgelegt wurde, sind die technischen Aufgliederungen noch nicht detailliert ausformuliert. Um sich auf dem europäischen Markt als Backbone für kabellose Netze zu behaupten, empfiehlt Luke Thomas, Analyst aus dem Hause Frost & Sullivan, eine schnelle Markteinführung von WiMAX-Netzen.
In seiner Analyse "European WiMAX Services Markets – WiWait for WiMax in Europe?" schreibt Thomas, dass die kabellose Daten-Anbindung für Mobilfunk-Stationen in Gebieten, in denen sich ein DSL-Kabelnetz nicht rechnet, eine kostengünstige Alternative sei. Da bei der Freiraum-Übertragung durch Umwelteinflüsse oder Gebäude optische Übertragungsstrecken unterbrochen werden können, sei für künftige WiMAX-Anbieter besonders der Standard IEE 802.16d interessant. Über diesen Standard werde versucht, übertragungstechnische Beeinträchtigungen durch nicht vorhandene Sichtverbindungen zu umgehen. Der Mobilfunk-Standard 802.16e werde in der Branche aber noch positiver bewertet, da die verwendete Übertragungsart mobile Anwendungen nicht nur besser unterstütze, sondern zusätzlich den Zugriff auf Untergruppe von Frequenzträgern erlaube.
Es gibt noch Probleme
Obwohl die großen Branchenakteure am europäischen WiMAX-Markt den Bedarf für gemeinsame Standards bereits erkannt haben, zögern Dienstleister noch mit der Einführung landesweiter WiMAX-Dienste. Ein Grund liege darin, dass Geräte mit Support für 802.16d und Geräte für 802.16e nicht kompatibel sind. Aber auch die lizenzierten Frequenzbereiche stellten ein Problem dar: "Neben der verzögerten Produkteinführungszeit beeinträchtigen Probleme mit der Frequenzzuweisung den Erfolg für den WiMAX-Markt. Davon profitieren in Europa vor allem die Konkurrenten WLAN und UMTS", warnt Luke Thomas.
Die Frequenzfrage basiere vor allem auf der Überlegung, ob man innerhalb Europas statt der Nutzung eines 3.5 GHz-Frequenzbandes nicht besser ein Frequenzband mit niedrigerer GHz-Zahl verwenden sollte. Da WiMAX sowohl feste als auch mobile Lösungen bietet, prüfen die europäischen Mitgliedstaaten zur Zeit die Vorteile einer technologieneutralen Annäherung an 2.5-2.69 GHz-Frequenzbänder. Ursprünglich waren diese für UMTS-Übertragungstechnologien vorgesehen. Sollte das Frequenzband genehmigt werden, würde es allerdings erst Anfang 2008 auf den europäischen Markt eingeführt werden, und die Dienstleister würden bis dahin auf das 3.5 GHz-Frequenzband zurückgreifen. Entscheidend wird die Frage sein, inwiefern Europas WiMAX Markt langfristig Lösungen für beide Frequenzbänder anbieten kann, heißt es in der Analyse weiter.
Für das Jahr 2006 erwartet Frost & Sullivan europaweit knapp 25.000 WiMAX-Nutzer. 2007 sollen es schon mehr als 75.000 sein, bevor die Nutzerzahl ab 2008 auf gut 253.000 ansteigen wird. Ende 2009 prognostizieren die Analysten circa 585.000 WiMAX-Nutzer, Ende 2010 gut 890.000.