Hunderte amerikanischer Unternehmen mit mehrheitlich gleichen Adressen haben sich in den letzten Tagen als Registrar für .eu-Domains bei der zuständigen Vergabestelle (EURID) eingetragen. Die Initiative
eudomaindesaster.org vermutet, dass es sich dabei um Scheinfirmen handelt, über die begehrte Domainnamen zum späteren Verkauf registriert werden sollen.
Registrare mit gleicher Adresse
Derzeit sind über 200 Registrare aus den USA bei der EURID angemeldet, die in der Mehrheit aber gleiche Kontaktdaten angegeben haben. Besonders auffällig viele solcher Registrare sind beispielsweise in Bellevue und Vancouver mit je 58 Einträgen und in Portland mit 31 Einträgen gelistet.
In Bellevue teilen sich alleine rund 30 Registrare das Postfach "PO BOX 7449" und die selbe Telefonnummer +1 4252744500. Um als Registrar für .eu-Domains zugelassen zu werden müssen vorab 10.000 Euro als Guthaben für 1.000 Domains bei der EURID eingezahlt werden. Aufgrund dieser hohen Investition vermutet die Initiative, dass immer die gleichen Investoren hinter diesen Firmen stecken.
Wahrscheinlichkeitsrechnung
Ab dem 7. April können .eu-Domains frei registriert werden. Dann gilt: Wessen Antrag auf eine freie Domain zuerst bearbeitet wird, bekommt sie. Die Anträge werden dabei im Auftrag ihrer Kunden über sogenannte Registrare bei der EURID eingereicht. Durch die mehrfache Eintragung als Registrar ist es so möglich, die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, eine begehrte Domain zugeteilt zu bekommen. Daniel Kollinger von der Initiative schätzt, dass sich Investoren über solche Scheinfirmen die Hälfte der noch verfügbaren wertvollen generischen .eu-Domains sichern könnten.
Sebastian Klein