Sommer 2005, wieder einmal ist das freie Internet in Gefahr. Die "Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte" (GEMA) will ungeliebte Internetseiten per DNS-Sperre zensieren lassen. Bei den Providern, die dem GEMA-Wunsch hätten nachkommen sollen, sorgte die Drohgebärde für einige Aufregung. Doch passiert ist seither nichts.
Böser Esel
Wir
erinnern uns: Im Juli 2005 erreichte 42 Internet Service Provider ein 35-seitiges Schreiben, dass von der Münchner Kanzlei Becker, Büttner, Held im Auftrag der GEMA verfasst wurde. Der Inhalt: eine Liste mit insgesamt 18 eDonkey-Websites und die Aufforderung, benannte Seiten binnen kürzester Zeit per DNS-Löschung unerreichbar zu machen. Der Protest war groß.
Die
betroffenen Provider hielten mit ihrer Kritik an der GEMA-Aktion nicht hinterm Berg. Branchenriese 1&1 verwahrte sich vehement dagegen, "Nutzer pauschal zu kriminalisieren". tlink-Chef Vicente Hernando urteilte ähnlich - seiner Ansicht nach könne eine Manipulation des DNS-Dienstes "nicht das Ziel sein".
Schwarze Liste
In der Branche herrschte trotz aller Nervosität ungewohnte Einigkeit. Kein Unternehmen wollte der GEMA Gehorsam leisten und der Aufforderung zur Sperrung nachkommen. Bis heute sind die Internetseiten der "Schwarzen Liste" über jeden Internetanbieter erreichbar, keine Klagen anhängig. Hat die GEMA also nur geblufft?