Mittlerweile gibt es die ersten Erfahrungen mit Umlautdomains, und das nicht nur in Deutschland. Das Verfahren erweist sich dabei als komplex und keineswegs störungsfrei. Zugleich stehen neue Top-Level-Domains vor dem Eintritt in den Domainmarkt, der noch lange nicht satt zu sein scheint.
Zoff um Umlaute
Roland Eugster vom Schweizer Domainregistrar SWITCH berichtete am 9. Februar auf der Fachkonferenz "Domain Pulse" in Berlin von seinen Erfahrungen mit Umlautdomains. In der Schweiz wurden sie am 1. März 2004 um 12 Uhr per "Big Bang" eingeführt, also ohne Sunrise-Periode und bevorzugter Vergabe wie derzeit bei der .eu-Domain. Aufgrund der Gesetzeslage sei das nicht anders möglich gewesen, so Eugster.
Wenig überraschend war daher, dass es zu Problemen und Streitigkeiten kam. So registrierte sich ein Student die Domain "nestlé.ch", sehr zum Missfallen des gleichnamigen Konzerns. "bücher.ch" ging nicht an den Besitzer von buecher.ch, und der Streit um "zürich.ch" konnte nur salomonisch gelöst werden: man einigte sich auf ein fair geteiltes Portal, an dem die Streithähne gleichermaßen beteiligt wurden. Insgesamt beträgt der Anteil von IDNs in der Schweiz 3,3 Prozent. Eugster sieht ein Potential von bis zu 20 Prozent.
China in der Schweiz
Ungewöhnlich ist die Idee der Schweizer, die Domain .ch auch mit chinesischen Schriftzeichen auszustatten. Die reguläre Top-Level-Domain (TLD) für China ist ".cn". Um die attraktivere ".ch"-Endung auch dem boomenden chinesischen Markt schmackhaft zu machen, prüft man bei SWITCH derzeit eine Ausweitung der Domain. Dies ist nicht unproblematisch: wird eine Domain in chinesischen Schriftzeichen registriert, sind bis zu sechs Millionen weitere Registrierungen im DNS-Hintergrund nötig, um alle Irrtümer auszuschliessen und die sprachlichen Besonderheiten zu berücksichtigen.