Die Vergabe von Liverechten für Übertragungen von Spielen der Fußball Bundesliga sorgt weiter für reichlich Wirbel. Nachdem Premiere gegen den neuen Sportrechtevermarkter Arena im Privatkundengeschäft bereits den Kürzeren gezogen hatte, droht ihr wie von onlinekosten.de bereits berichtet, jetzt auch Konkurrenz bei den Sportbars. Doch nicht nur Arena kann sich für die Übertragungsrechte in der Gastronomie begeistern, offenbar bietet auch die Deutsche Telekom mit. Das geht aus einem Bericht des "Handelsblatt" hervor.
Aus Fußballkreisen sei zu vernehmen, dass ein Lizenzverlust für den Pay-TV-Anbieter aus München "das 2:0 gegen Premiere" wäre. Christian Seifert von der Deutschen Fußball Liga (DFL) sagte der Zeitung, dass alle Angebote bis Ende März vorliegen müssten und im Laufe des Aprils eine Entscheidung fallen werde. Er widersprach damit Meldungen, wonach eine Entscheidung schon Ende März fallen werde.
Sinnvolle Ergänzung
Für die Telekom wäre der Erwerb der Sportbar-Rechte der Bundesliga ein wichtiger Schritt nach vorne. Denn um seinen ehrgeizigen Wachstumszielen gerecht zu werden, muss der Konzern die Abhängigkeit von der klassischen Telefonie reduzieren. Die Telekom setzt auf das Angebot von Telefon, Internet und Fernsehen aus einer Hand – im Fachjargon Triple Play genannt. "Die Live-Präsentation der Bundesliga auf den Terminals in Flughäfen und Bahnhöfen wäre für die Telekom die beste Werbung für das Triple Play", sagte ein an den Verhandlungen Beteiligter. Die Kosten für die Rechte sind überschaubar. "Wir gehen von einen einstelligen Millionen-Euro-Betrag aus", heißt es in Bieterkreisen.
Die Telekom hatte bereits Ende 2005 von der DFL die Internetrechte der Bundesliga ab der kommenden Saison für schätzungsweise 40 bis 50 Mill. Euro erworben. Damit will der Konzern die Nachfrage für seinen schnellen Internetanschlüsse steigern. Die Telekom will mit publikumsträchtigen Inhalten ihrem geplanten Hochgeschwindigkeitsnetz (VDSL) zum Durchbruch verhelfen. Konzernchef Kai-Uwe Ricke plant, in das VDSL-Netz in zehn deutschen Großstädten 3,3 Milliarden Euro zu investieren.
Telekom und Premiere bald Partner?
Vom harten Wettbewerb zwischen Telekom und Kabel könnte am Ende Premiere profitieren. "Bei einem Zuschlag hat die Deutsche Telekom das Recht auf Sublizenzierung. Sie könnte beispielsweise ihre Gastronomie-Rechte an Premiere für die Sportbars weiter verkaufen", hieß es in Verhandlungskreisen. In der Branchen wird längst über eine Allianz zwischen Premiere und Telekom spekuliert. Derzeit führen beide Konzerne Gespräche. Das bestätigte Premiere-Chef Kofler am Dienstag. "Die Deutsche Telekom sieht Premiere nicht unbedingt als Konkurrent", sagte ein Insider dem "Handelsblatt".
Hayo Lücke