Nur noch jedes siebte Telekommunikationsunternehmen in Deutschland und der Schweiz sieht UMTS unter den Top-Drei der Übertragungstechnologien. Selbst das Festnetz, das weitläufig als überholt angesehen wird, bewertet die Branche als bedeutsamer im Vergleich zu UMTS. Statt dessen sehen vier von fünf Entscheider der Unternehmen in Breitbandstandards die weltweit größten Marktchancen. Das ergab die aktuelle Befragung "TELCO Trend" von Steria Mummert Consulting.
Mehr Kompatibilität bitte
Jeder Fünfte der befragten Fach- und Führungskräfte sieht immer noch die Festnetztelefonie als eine der drei wichtigsten Übertragungstechnologien. Die rasante Entwicklung mit wachsenden Bandbreiten in der mobilen Datenübertragung fördert das Umdenken. UMTS muss zu anderen Standards kompatibler werden. Schließlich würden bis Ende 2006 voraussichtlich 13 Millionen DSL-Zugänge geschaltet sein. Das entspricht einem Wachstum von 30 Prozent. Die UMTS-Gemeinde zählt aktuell nur 2,5 Millionen Nutzer. Kein Wunder also, dass die ursprünglichen Prognosen der UMTS-Netzbetreiber mittlerweile als Utopie abgetan werden. Anfangs wollten die Betreiber noch rund 80 Prozent ihrer Umsätze über die Sprachtelefonie erwirtschaften. Mittlerweile schwenken die Planungsansätze um auf die Datenübertragung.
Schließlich liegt DSL bei den wichtigsten Übertragungstechniken mit 83,6 Prozent an der unangefochtenen Spitze. Der Mobilfunk findet sich aus Sicht der Telekommunikationsbranche auf Platz Zwei mit lediglich 59 Prozent wieder. Die drahtlose Übertragung per WLAN steht mit 30,3 Prozent bereits weit vor dem Festnetz (19,7 Prozent) und Absteiger UMTS (13,9 Prozent).
Mobiles VoIP ernste Konkurrenz
Nicht zuletzt ist VoIP Schuld an dieser Entwicklung. Zukünftig bekomme der klassische Mobilfunk besonders in den Großstädten massive Konkurrenz. "Die neue Handygeneration wird künftig IP-Telefonie unterstützen, mit der sich sowohl UMTS-Netze als auch Public-WLAN-Zugänge nutzen lassen", erklärt Bernd Janke, Telekommunikationsexperte von Steria Mummert Consulting. Davon erwarten sich Marktbeobachter nicht nur fallende Verbindungspreise im Festnetz. Auch der verhältnismäßig teure Mobilfunk soll der Experten-Meinung nach die Auswirkungen zu spüren bekommen und die Preise für UMTS-Angebote gedrückt werden. Steria Mummert Consulting befragte von Ende Oktober bis Ende November 2005 insgesamt 122 Fach- und Führungskräfte der Telekommunikationsbranche aus Deutschland und der Schweiz.
Aleksandra Leon