Der Verdächtige ist das rote Männchen in der Mitte des Bildschirms. Ein Strich führt zu einem anderen Männchen, "Begegnet in Afghanistan" steht neben dem Strich. "Paket geschickt" neben einem anderen, "Flugstunde genommen" neben dem nächsten. Ein Netz von Linien bedeckt den Bildschirm. Fahnder von Polizei und Geheimdiensten wollen mit der Software die Netzwerke des islamistischen Terrors analysieren. Seit dem 11. September 2001 tüfteln die Software-Schmieden der Welt an Fahndungsprogrammen, um die oft jahrelang im Verborgenen lebende Extremisten frühzeitig aufzuspüren - und greifen dabei auch auf altbewährte Prinzipien aus der freien Wirtschaft zurück.
Alte Software für neue Ziele
So basiert die obige Software zur Aufdeckung von Netzwerken auf Programmen, die Konzerne zum so genannten Customer Relationship Management (CRM) einsetzen, also zur Pflege ihrer Kundenbeziehungen. Die CRM-Programme können der Firma zeigen, welche Kunden miteinander bekannt sind, wer wann was gekauft hat. Pharmakonzerne verwalten die von ihnen belieferten Ärzte, Fluglinien managen ihre Vielfliegerprogramme damit. Sie können Werbekampagnen besser planen oder Rabattaktionen steuern. Fahnder könnten damit die aus verstreuten Quellen wie Kontoauskünften, E-Mail-Kontrolle oder Handy-Überwachung gefilterten Informationen verknüpfen.
Auch andere Fahnder-Software basiert auf aus der Wirtschaft bekannten Prinzipien. So nutzen Banken seit langem Programme, die berechnen, wie hoch das Risiko ist, dass sich ein Kunde verschuldet oder sein Kredit platzt. Mit solcher Risk-Management-Software sollen Islamisten-Jäger künftig auch vorhersagen, wie gefährlich ein Verdächtiger ist, wie wahrscheinlich er etwa einen Anschlag begeht. "Man kann dabei jeder Person einen bestimmten Risikowert zuordnen", sagt Andreas Pohler, Entwickler von Anti-Terror-Software bei IBM. "Dann kann man sich die Gefährlichkeit zum Beispiel in einem Balkendiagramm anzeigen lassen."