Nutzer, die über die freie Enzyklopädie Wikipedia nach Informationen suchen möchten und dabei die Domain
www.wikipedia.de ansteuern, werden derzeit nicht auf die Startseite des Portals weitergeleitet. Statt der Weiterleitung auf
de.wikipedia.org erhalten Nutzer den Hinweis, dass aufgrund einer am 17. Januar vor dem Amtsgericht Berlin-Charlottenburg eingereichten einstweiligen Verfügung, eine Umleitung auf die deutschsprachige Ausgabe der Datenbank nicht möglich sei.
Nach eigenen Angaben werde derzeit mit Hilfe von Rechtsanwälten geprüft, ob und wenn ja wann die Umleitung wieder aktiviert werden könne. Aus rechtlichen Gründen gibt der Verein Wikimedia Deutschland derzeit keine Stellungnahmen zu dem Fall ab.
Wieso, warum, weshalb?
In den
WikiNews ist jedoch ein Artikel zu finden, der eine Erklärung für die deaktivierte Umleitung liefert. Demnach geht die einstweilige Verfügung auf die Eltern eines verstorbenen Computer-Hackers, der unter dem Namen "Tron" bekannt wurde, zurück. Dem Wikimedia-Projekt Wikipedia soll mit der Verfügung verboten werden, den vollständigen, bürgerlichen Namen zu nennen. Begründet wird dies damit, dass der Hacker nie unter seinem richtigen Namen gearbeitet habe. Wikimedia hält bisher dagegen, dass auch in Artikeln anderer Pseudonymträger der bürgerliche Name steht – soweit dieser bekannt ist. Sobald der Nachname nicht mehr sichtbar ist, werde auch die einstweilige Verfügung hinfällig, sagte eine Sprecherin der Berliner Justiz auf Anfrage.
Auch US-Webseite bald offline?
Die Eltern des 26-Jährigen haben vor der Berliner Justiz Mitte Dezember auch eine einstweilige Verfügung gegen die Betreiber der weiterhin im Netz stehenden deutschen Seite erwirkt. Da diese allerdings in den USA sitzen, konnte die einstweilige Verfügung nach Angaben der Justizsprecherin noch nicht zugestellt werden. Es sei offen, wie lange die über den diplomatischen Weg laufende Zustellung noch dauere. Ebenso sei offen, ob sich die US-Justiz überhaupt an die Berliner Entscheidung halten müsse und die Domain damit abgeschaltet werden müsse, sagte die Justizsprecherin.
Tod als Rätsel
"Tron" war im Oktober 1998 in einem Berliner Park erhängt entdeckt worden. Es gab und gibt reichlich Spekulationen um die Todesursache, weil sein Tod in Teilen der Hackerszene als Mord durch Geheimdienste oder Teile der organisierten Kriminalität angesehen wird. Die Staatsanwaltschaft stellte dagegen einen Selbstmord fest. Als mögliche Motive nennen die Anhänger der Mordtheorie laut Wikipedia "Trons" Arbeiten auf den Gebieten des Pay-TV-Hackings und der Sprachverschlüsselung.