Die Betrugsaffäre bei einer japanischen Internet-Firma hat die Anleger an der Tokioter Börse heute in Panik versetzt und einen weltweiten Abwärtssog ausgelöst.
Um bei der Flut von Verkaufsorders einen System-Zusammenbruch zu verhindern, beendete die zweitgrößte Börse der Welt erstmals in ihrer 57-jährigen Geschichte vorzeitig den Handel. 20 Minuten vor dem normalen Börsenschluss wurden alle Transaktionen ausgesetzt. Der Nikkei-Index stürzte zwischenzeitlich um mehr als fünf Prozent ab. In Kombination mit steigenden Ölpreisen und enttäuschenden Unternehmenszahlen in den USA führte der Kurssturz weltweit zu Abschlägen. Japans Ministerpräsident Junichiro Koizumi versuchte die Märkte zu beruhigen und sprach von einer "vorübergehenden" Krise.
Der Deutsche Aktienindex (DAX) verlor 1,56 Prozent und notierte gegen 13.00 Uhr bei 5.375 Punkten. Alle 30 Werte lagen im Minus. Größte Verlierer waren neben der Allianz auch SAP, Infineon und wegen der erneut anziehenden Ölpreise auch die Lufthansa. In Paris gab der Leitindex CAC 40 bis zum späten Vormittag um 1,1 Prozent auf 4.755 Punkte nach. "Zahlreiche Wolken ziehen sich über den Märkten zusammen", kommentierte das Finanzhaus B-Capital und verwies neben dem Skandal in Japan auch auf die politischen Spannungen um die Atompläne Irans.
Verlierer oder Gewinner?
Hintergrund für die Verluste in Tokio waren japanische Zeitungsberichte über mögliche Kursmanipulation und Bilanzfälschung bei der bekannten japanischen Internet-Firma Livedoor. Deren schillernder Gründer, der 33-jährige Takafumi Horie, habe die Bücher frisiert und statt eines Verlustes für 2004 einen Millionengewinn ausgewiesen, hieß es in der Presse. Bereits am Dienstag habe die Staatsanwaltschaft bei einer Razzia die Geschäftsräume der Internet-Firma durchsucht.