"Bitte, nur noch eine Viertelstunde, Mami!" Wie oft Mütter in Deutschland täglich diesen Satz von ihren vor dem Computer sitzenden Kindern zu hören bekommen? Sicherlich häufiger als noch vor zehn Jahren. Der Grund: Internet und Computerspiele lassen viele Kinder die Zeit und oft auch ihr soziales Umfeld vergessen.
Viereckige Augen
Wolfgang Frindte, Kommunikationspsychologe aus Thüringen, fordert deshalb jetzt die Festlegung eines offiziellen Krankheitsbildes für Internetsucht auch in Deutschland. Wie in den USA sollen auch hierzulande feste Diagnosestandards für die Onlinesucht gelten. So seien neben der Zeit auch zwanghafte Verhaltensweisen, der ständige Drang nach Internet und eine soziale Abgrenzung Anhaltspunkte für eine Internetsucht.
Besonders gefährdet sieht Frindte Kinder und Jugendliche im Alter von 14 bis 18 Jahren, die nicht autoritär erzogen werden. Bei ihnen seien das Interesse und der Drang nach Diskussionen in Internet-Foren oder Chats besonders groß. Sicherlich spielt auch der Faktor Online-Gaming eine zentrale Rolle bei der Internet-Sucht. Besonders bei Online-Rollenspielen wie World of Warcraft sitzen viele Zocker Tag für Tag wie gefesselt vor dem Bildschirm. Mit ansteigender Sucht steige auch das Gesundheitsrisiko, sagte Frindte.
Erwachsene resistenter
Allerdings hänge die Sucht oft mit dem Alter zusammen. Während Jugendliche dem Internet und Onlinespielen schnell verfallen, sollen Erwachsene schon deutlich weniger anfällig sein.
Filip Vojtech