Der Kampf um die Fernsehrechte am Massenspektakel Bundesliga geht in die entscheidende Phase. Am Mittwoch will die zuständige Deutsche Fußballiga (DFL) über die Vergabe der Rechte entscheiden. Auf das Filetstück, die Live-Übertragung der Spiele gegen Bezahlung, schielen diesmal mehr ernsthafte Bieter als nur der nahezu gesetzte Bewerber Premiere.
Kabel pokert mit
Neben der Telekom ist nach Medienberichten indirekt auch die deutsche Kabelbranche unter den Bietern. Die beiden großen Netzbetreiber Kabel Deutschland (KDG) und Unity Media (ish, iesy) sollen Interesse an den Hauptrechten haben. Die Kabelanbieter wollen demnach die freie Bundesliga-Berichterstattung in der Sportschau ab 18.30 Uhr erhalten.
Telekom und Kabelbetreiber sind Neulinge in Sachen Fernsehausstrahlung. Beide müssten im Falle der Rechtezuteilung für die Grundversorgung und genügend Reichweite sorgen. Das geht nicht von jetzt auf gleich, dürfte also auf ein Kooperationsmodell mit einem Sender hinauslaufen. Schon bald werden exklusive Inhalte für Netzanbieter eine wichtige Rolle spielen. Die Triple-Play-Träume der Branche werden nur wahr, wenn attraktive Inhalte im Angebot sind - so attraktiv wie die Bundesliga.
Der Verband Privater Rundfunk und Telekommunikation (VPRT) hat auch schon pflichtschuldigst seine Bedenken gegen die neuen Mitbewerber zu Protokoll gegeben. "Die Kombination von Übertragungsrechten und Rechtehandel auf der einen sowie Monopolstrukturen im Bereich der Übertragungswege auf der anderen Seite birgt große Gefahren für den Wettbewerb und damit die Meinungsvielfalt der Medien", warnte VPRT-Präsident Jürgen Doetz. Gefährlich ist die neue Konstellation aber vor allem für Premiere.
Mehr Wettbewerb
Der bisherige Bundesliga-Monopolist hat zum ersten Mal ernsthafte Konkurrenz bei den begehrten Live-Rechten - und das aus dem Technologielager. Von weniger Wettbewerb kann also auch kaum die Rede sein. Und Wettbewerb tut weh: Denn nicht nur treiben die neuen Interessenten die Preise nach oben (die DFL erhofft sich Erlöse zwischen 400 und 500 Millionen Euro, im Vergleich zu 300 Millionen im vergangenen Jahr). Premiere verliert auch die bequeme Verhandlungsposition gegenüber der DFL, die sich den Wünschen des Pay-TV-Senders schon mal zu Willen zeigte.
Auch wenn die Runde in diesem Jahr nochmal an Kofler geht: Der Premiere-Boss ist gewarnt. Es gibt in Zukunft andere ernsthafte Mitspieler im Rechte-Zirkus, die das Zugpferd Bundesliga ins Rennen schicken möchten. Für Premiere steht also nicht weniger als die Existenz auf dem Spiel.
Volker Briegleb