Die erste Sunrise-Registrierungsphase ist gelaufen - und alle hoffen auf einen Riesenerfolg. Und die Zeichen dafür stehen nicht schlecht, wir
berichteten.
Viele Anmeldungen
Insgesamt verzeichnete die EuRID gut 100.000 Anmeldungen in nur sechs Stunden. Im Vergleich zur letzten Einführung einer Top-Level-Domain (".info") hat sich die Zahl der Voranmeldungen vervielfacht. Allein bei Schlund + Partner wurden seinerzeit 95.000 .info-Domains registriert - bei ".eu" waren es nun mehr als viermal so viele. Und das, obwohl die Domain einige Zeit brauchte, um in Fahrt zu kommen.
Anfang 2000 verkündete die Europäische Kommission ihre ersten Pläne für eine eigene Domain, die vor allem ein Gegenstück zur dominierenden Top-Level-Domain ".com" werden sollte. Im Dezember folgte dann eine erste Verordnung zur Verwaltung der europäischen Domain. Im Sommer 2001 beschloss der EU-Ministerrat zwar den Start von ".eu", doch auf dem Weg durch zahllose Gremien und Institutionen ging viel Zeit verloren.
Bürokratische Hürden
So ging es 2002 erst noch um die Ausschreibung der Registrierungsstelle, 2003 dann um die Vergabe an EuRID und 2004 um den Zeitplan der frisch gewählten Registrierungszentrale. Während diese die erste Sunrise Period bereits für September 2004 vorsah, liess sich die ICANN, ihres Zeichens Kontrollstelle für die Vergabe von Internetadressen ebenfalls ein wenig Zeit und gab erst März dieses Jahres die Freigabe für die neue Domain. Laut EuRID kamen mehr als ein Drittel aller Domainwünsche aus Deutschland - ein dicker Batzen, wenn man sich die mittlerweile erreichte Grösse der EU einmal vor Augen führt. Über 800 Registrare buhlen um die Gunst der Domaininteressierten, von denen nun die ersten mittendrin sind im Kampf um die begehrtesten Adressen.
Bei der EuRID kann man diesen Kampf live verfolgen: alle .eu-Domainwünsche sind unter
www.whois.eu abzufragen. Wer zum Beispiel "sex" eingibt, wird 234 Anträge für diese Domain entdecken. Dass die Grundvoraussetzung eines Markenrechts in einem EU-Land notwendig für die bevorzugte Registrierung war, ist im Kampf um die Domains nicht automatisch ein Vorteil. Denn auch bei der Vergabe der privilegierten Domains geht es nach dem Prinzip "Wer zuerst kommt, mahlt zuerst". Und da liegt im Kampf um "sex.eu" derzeit ein Schwede vorne. Die Fristen sind kurz: Wer Sex haben will, muss bis zum 16. Januar 2006 seine Nachweise einreichen. Denn die Pole Position nutzt wenig, wenn man den weiteren Verpflichtungen nicht nachkommt.
Stephan Humer