Dienstag, den 06.12.2005 14:00

ftp-welt-Gründer vor Gericht

aus dem Bereich Sonstiges
In dem bislang bundesweit spektakulärsten Verfahren wegen des Vertriebs von Raubkopien im Internet hat die Staatsanwaltschaft im thüringischen Mühlhausen Anklage gegen vier Tatverdächtige erhoben.

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Die Geschichte der ftp-welt

Den Männern im Alter von 21 bis 47 Jahren wird vorgeworfen, von Juni 2003 bis September 2004 illegal Kinofilme, Computerspiele, Musik und Anwendersoftware an etwa 15.000 zahlende Abnehmer vertrieben zu haben, wie die Staatsanwaltschaft heute mitteilte. Mit den Raubkopien sollen die Beschuldigten rund 700.000 Euro Gewinn kassiert haben. Die Angeklagten haben die Vorwürfe nur zum Teil eingeräumt.

Den Thüringern Thomas R. und Daniel R. sowie dem aus Bayern stammenden Bernhard S. wird gewerbsmäßige unerlaubte Verwertung urheberrechtlich geschützer Werke und Verbreitung pornografischer Schrifte vorgeworfen. Der ebenfalls aus Thüringen stammende Martin E. wird der Beihilfe bezichtigt.

Nach der Gründung einer Firma auf den British Virgin Islands und dem Aufbau eines Abrechnungssystems sollen die Angeklagten im Juni 2003 ihre Seite www.ftp-welt.com in das Internet gestellt haben. Interessenten konnten sich demnach die Titel aus dem Internet über verschiedene Server im Ausland herunterladen, nachdem sie sich angemeldet und ein Mitglieds-Abo gekauft hatten. Die Daten wurden aus Hackerkreisen beschafft und auf den Servern im Ausland abgelegt.

Reichlich illegale Materialien

Im August 2004 wurden über die Internetseite insgesamt mehr als 320 Filmtitel, davon 15 Pornofilme, sowie 100 MP3-Audiodateien, 86 Computerspiele und 29 Anwenderprogramme vertrieben. Durch anonyme Nutzer erhielten die Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen (GVU) im Juli 2003 erste Hinweise und erstattete kurz darauf Strafanzeige.

Bei der Durchsuchung von Wohnungen und Geschäftsräumen in Thüringen und Bayern wurde umfangreiches Beweismaterial, darunter Rechner und Aktenordner beschlagnahmt. Die Beamten fanden zudem rund 380.000 Euro in bar. Die GVU sprach damals vom "weltweit größten Fall" des Verkaufs illegaler Downloads im Internet.

Nutzer müssen zittern

Gegen zahlreiche Kunden der Raubkopierer wurden inzwischen ebenfalls Verfahren eingeleitet. Allein in Thüringen sind 120 Verfahren bei den Staatsanwaltschaften anhängig. Ein Teil wurde inzwischen wegen geringer Bestellsummen wieder eingestellt.
Hayo Lücke / afp
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