Das Problem ist so ernst, das Microsoft angekündigt hat, einen entsprechenden Patch in das kommende Service Pack einzubetten. Und Sicherheitsspezialisten wie Symantec haben bereits angekündigt, XCP in ihre Virusbibliotheken aufzunehmen. Der Kopierschutz wird dann wie ein Virus erkannt und bei Bedarf gelöscht.
Wenig beeindruckt
Sony BMG zeigte sich von dem gravierenden Sicherheitsproblem anfangs unbeeindruckt. Das Unternehmen verwies die Kunden lediglich auf eine Service-Hotline. Dort würde den Kunden mitgeteilt, wie der Kopierschutz zu entfernen sei, so der Konzern. Kurz darauf veröffentlichte der Musikriese in den USA zwei Patches, die aber laut der IT-Sicherheitsfima Computer Associates nicht ausreichen, um die Sicherheitslecks effektiv zu schließen.
Durch die bösartigen Exploits sieht die Sache inzwischen aber anders aus: Nach einer Protestwelle von Compternutzern und Sicherheitsexperten drohen Sony BMG jetzt auch zahlreiche Schadensersatzklagen in den USA. Wie Sony gestern bekannt gab, sieht sich das Unternehmen nun endlich gezwungen, den umstrittenen Kopierschutz einzustampfen und in Zukunft nicht mehr zu verwenden. Immerhin rund zwei Millionen XCP-CDs sind bisher verkauft worden.
XCP auch in Deutschland
Nach Deutschland seien per XCP geschützte Musik-CDs indes nicht gekommen, lässt Sony BMG verlauten. Das sieht die Stiftung Warentest jedoch anders: Ein Experte der Stiftung sieht in der Darstellung von Sony sogar eine "glatte Lüge". Wie die Warentester mitteilten, habe Stiftung Warentest den Kopierschutz auch auf einer CD gefunden, die der Händler direkt über Sony BMG Deutschland bezogen hatte. Sollten tatsächlich mehrere Alben mit dem XCP-Kopierschutz über Sony BMG Deutschland in den Handel gelangt sein, wäre das mehr als eine weitere Peinlichkeit für den Musikriesen.