Deutschland, Ende 2005: Mitten in der Hauptstadt "surfen" verzweifelte Internetnutzer noch mit 56 Kbit/s im Netz. Pankow, mit knapp 340.000 Bewohnern größer als die Ex-Hauptstadt Bonn, gehört zur DSL-Diaspora. Breitband ist vielerorts kein Thema im größten Berliner Bezirk.
Pankow im DSL-Nirvana
Auch wenn die Politik keine Gelegenheit auslässt, den Ausbau der Breitbandnetze als wichtigen Wirtschaftsfaktor hervorzuheben: Pankow ist bis jetzt außen vor - technisch auf dem Niveau eines Entwicklungslands, und das mitten in der Hauptstadt. Während die Menschen anderswo mit für die meisten Pankower unvorstellbaren Bandbreiten von mehr als sechs Megabit pro Sekunde auf die digitale Zukunft vorbereitet werden, ist man im Berliner Norden schon über eine ISDN-Leitung froh.
Im Bezirk herrscht ein wildes Durcheinander der Netze: Klassisches Kupfer liegt dort ebenso wie Glasfaser. Die nach der Wende als zukunftsweisende Technologie verlegten Glasfaser-Netze sind jetzt das Problem: Sie sind nicht ohne weitere Investitionen auf moderne Bandbreiten zu bringen. Bisher hat sich die Telekom bei dem dafür nötigen Ausbau allerdings eher zögerlich gegeben. Betroffen sind davon weite Gebiete vor allem im Norden des Bezirks.
Breitband als Standortfaktor
Dass die Beschwörungen der Politiker über den hohen Stellenwert der Breitbandtechnologie kein leeres Gerede sind, weiß man auch in Pankow. Breitband ist ein wesentlicher Standortfaktor. Das betont auch die Initiative "DSL nach Pankow". Der Politikwissenschaftler Jens Peter Franke und sein Mitstreiter Martin Schauerhammer sind die treibenden Kräfte hinter dem Projekt. Ihnen geht es nicht nur darum, selbst einen flotten Internetanschluss zu bekommen. Sie sehen auch die Chance für den Bezirk, für Wirtschaftsansiedlungen wieder attraktiver zu werden.
Seit April 2005 ist "DSL nach Pankow" ein Sammelbecken der betroffenen Pankower Bürger. Der Geburtsort der Initiative: Das
onlinekosten.de-Forum. Auf der schnell geschalteten neuen
Website der Pankower treffen sich die Interessenten zu Erfahrungsaustausch und Diskussion. Über 1.000 Interessenten haben inzwischen die Petition der Initiative unterschrieben. Schauerhammer und Franke suchen zudem den Dialog mit Politik und Wirtschaft, um Alternativen zum Telekom-Netz nach Pankow zu holen.