In den kommenden zehn Jahren werden die traditionellen Fest- und Mobilfunknetze ausgedient haben. VoIP wird bis dahin altbekannte Dienste verdrängt haben. Zu diesem Schluss kommt die aktuelle "Internet-Agenda 2015", für die der Verband der deutschen Internetwirtschaft e.V., kurz eco, 300 Mitgliedsunternehmen befragte. Die Unternehmen beschäftigen zusammen über 200.000 Mitarbeiter und erwirtschafteten einen Jahresumsatz von rund 40 Milliarden Euro.
Wem die Stunde schlägt
Immerhin 43 Prozent der befragten Experten waren eco zufolge der Meinung, dass der Internet-Telefonie zukünftig ein beträchtlicher Marktanteil zukommen wird. Ein Drittel geht noch weiter und sagt dem Festnetz das sichere Ende in zehn Jahren voraus. Auch der Mobilfunk sei in Gefahr – zumindest meinen das ein Viertel der Befragten, die bis dahin VoIP auch in diesem Bereich auf Eroberungsfeldzug sehen. Weitere 58 Prozent sind der Meinung, dass Smartphones zukünftig zur Standardausrüstung für jedermann werden. Durch die Standardisierung von VoIP würde auch eine Vereinheitlichung der Geräte vonstatten gehen. Alleskönner, die Telefon, Internet und E-Mail verbinden, würden so demnächst zum Alltags-Begleiter.
Meinungen gehen auseinander
"In den nächsten Jahren wird das althergebrachte Telefonnetz durch das moderne IP-Netz ersetzt werden. Spannend wird die Frage, welche Gebühren die Telefonierer dann zu begleichen haben", sagt eco-Geschäftsführer Harald A. Summa. Damit kommen die Verbandsmitglieder und ihr Geschäftsführer allerdings auf ein anderes Urteil, als kürzlich noch Forrester Research. Deren aktuelle Studie zum Thema sieht zwar die Telefontarife weiterhin im Sinkflug. Dennoch stellten die Marktanalysten ernüchternd fest, dass immer noch 70 Prozent der Europäer bislang nichts von VoIP gehört haben. Zudem beschränkt sich die Zahl der Nutzer, die fast ausschließlich über das Internet telefonieren, auf nur einen Prozent.
Der Einzug von VoIP in die europäischen Haushalte wird sich, laut Forrester, nicht zuletzt wegen der geringen Abdeckung mit Breitbandanschlüssen langsam entwickeln. Zudem sehen sie wenig Chance für reine VoIP-Anbieter wie beispielsweise Vonage in den USA oder
Skype, da das Produkt dafür nicht revolutionär genug sei. Stattdessen seien weiterhin die Bigplayer und ehemaligen Monopolisten auf einer guten Startposition für die Zukunft – zumindest solange sie den neuen Trend nicht verschlafen und innovative Paketangebote und Strategien bieten können.
Aleksandra Leon