Darum dreht sich auch die Hauptsorge der betroffenen Unternehmen, die die Vorratsspeicherung selbst übernehmen und finanzieren sollen. Die Colt-Gruppe rechnet dabei internen Schätzungen zufolge mit Kosten um die 90 Millionen Euro pro Jahr. Diese Investitionen werden nötig, um entsprechend komplexe technische Lösungen bereit zu stellen, die zum Einen in der Lage sind, weit in die Terabyte gehende Datenmengen zu speichern, zum Anderen diese auch systematisch auszulesen, zu archivieren und den Anforderungen der Strafverfolgungsbehörden entsprechend bereit zu halten. Diese erheblichen Mehrkosten für die Unternehmen könnten dann natürlich höhere Telefon- und Internetkosten zur Folge haben. Doch sind laut Studie rund 78 Prozent der Befragten dagegen, diese aus der Vorratsspeicherung resultierenden Kosten tragen zu müssen.
Nur grob geschätzt
In der Berechnung durch Colt sind übrigens lediglich die reinen Speicherkapazitäten zusammengefasst, sprich: was es kostet, die Datenmassen zu archivieren. Zu Grunde gelegt wurden hier die industrieüblichen Kosten für Speicherkapazität. Hinzu kommen noch der Betrieb notwendiger Systeme und technischer Einrichtungen, Datenübertragungen an den Speicher, Schulungen für Mitarbeiter und – nicht zu vergessen – das Personal selbst. So wundert es nicht, dass Wolfgang Essig, Vorsitzender der Geschäftsführung bei Colt, so manchem Kommunikationsunternehmen aus dem Herzen spricht, wenn er feststellt: "Die tatsächlichen Kosten dürften daher noch um ein Vielfaches höher liegen so dass wir die EU-Kommission nur dazu auffordern können, die öffentliche Sicherheit nicht auf Kosten privater Unternehmen abzuwälzen."
Wie soll das nur gehen?
Hinzu kommt, dass sich die Techniker und Systemlieferanten schon seit Monaten die Köpfe zerbrechen, wie sie denn überhaupt die Vorgaben aus Brüssel in die Tat umsetzen könnten. Bis jetzt haben sie jedenfalls noch erhebliche Zweifel an der grundsätzlichen Machbarkeit dieser massenhaften Datenerfassung. So würde im Entwurf der EU-Kommission beispielsweise nicht den unterschiedlichen Anschluss-Techniken im Bereich der Internet-Zugänge Rechnung getragen. Manche Netzwerk-Strukturen seien nämlich gar nicht dafür ausgelegt, IP-Pakete auszulesen, was einen kompletten Umbau der Netzinfrastruktur erforderlich machen und Millionen an Investitionsgeldern vernichten würde.
Kampf dem Krieg
Den EU-Justiz- und Innenministern, die augenblicklich im britischen Newcastle über dieses Thema diskutieren, scheinen diese Hürden belanglos, gegenüber dem hehren Ziel, das sie verfolgen. Ihr Plan ist es, mit der Vorratsspeicherung einen wesentlichen Schritt gegen die weltweite Bedrohung durch Terrorismus zu tun. Anschläge wie in New York und Madrid hätten schließlich auch nur über die Telekommunikationsdaten der Täter aufgeklärt werden können, so das Argument. Doch die flächendeckenden Überwachungsmaßnahmen, wie sie in ähnlicher Weise
in den USA seit Jahren gang und gäbe sind, konnten die Anschläge auch nicht verhindern. Bereits heute gibt es eine Vielzahl an Möglichkeiten, Spürhunde im Netz zu überlisten. Bleibt abzuwarten, ob sich das ändern wird.