Wie so manche Erfolgsstory des Internet-Booms begann auch diese in einer Garage. Nachdem er am 16. Juli 1995 die Website seiner kleinen Firma lanciert hatte, verpackte Jeffrey Bezos in seinem Haus in Seattle an der US-Westküste mit seinen wenigen Angestellten unter wachsendem Stress Bücher. "In den ersten 30 Tagen verschickten wir Pakete in alle 50 US-Staaten und in 45 verschiedene Länder", erinnerte er sich später in einem Interview. Zehn Jahre nach seiner Gründung ist Amazon heute mit rund 45 Millionen Kunden und einem Umsatz von knapp sieben Milliarden Dollar eines der erfolgreichsten und bekanntesten Internet-Unternehmen der Welt.
Elektronischer Bücherwurm
Bei Bezos kamen zwei Leidenschaften zusammen, aus denen seine Erfolgsidee entstand: Der Sohn eines Ingenieurs aus Albuquerque im Südwesten der USA war nicht nur von früh an ein Bücherwurm, sondern auch ein Computerfreak. Nach dem Informatik- und Eletronikstudium an der berühmten Princeton-Universität an der Ostküste arbeitete er zunächst an der Wall Street. Dort erfuhr Bezos eines Tages, dass die Internetbranche ein Schwindel erregendes Wachstum von 2300 Prozent jährlich erlebte. Als er dann auch noch herausfand, dass die Buch-Großhändler ihre Kataloge digitaliert hatten, passte für das Geschäftsgenie alles zusammen. Mit Startkapital, das größtenteils von seinen Eltern stammte, gründete der 31-Jährige den ersten Buchladen im Internet.
Ungeahnter Kaufrausch
Die enorme Nachfrage schon in den ersten Tagen überraschte Bezos. "Wir hatten keine Ahnung, ob die Leute online einkaufen würden oder nicht. Aber sie überraschten uns - sie taten's", sagte er vor drei Jahren dem Londoner "Guardian". Und die Kunden waren so begeistert, dass sie bald auch andere Ware wollten. 1998 kamen CDs, Videos und DVDs hinzu, und heute bietet Amazon auf seiner US-Website (www.amazon.com) neue und gebrauchte Produkte in 31 Kategorien an - von Hummer und Kaviar über Rasenmäher und Staubsauger bis zu Kondomen und Babywindeln. Auf der deutschen Website (www.amazon.de) ist das Angebot begrenzter. Immerhin gibt es aber auch dort Elektronik und Software, Spielzeug, Haushaltswaren und Gartenartikel.
Konzept: einfach erfolgreich
Rund ein Viertel seiner Verkäufe wickelt Amazon inzwischen über Geschäftspartner und deren Websites ab - darunter die Kaufhauskette Target und der Spielwarenhändler Toys'R'US. Das Erfolgsrezept, mit dem sich Amazon auch gegen die wachsende Konkurrenz durch andere Online-Warenhäuser behaupten konnte, waren stets die übersichtliche Website, die niedrigen Preise und die schnelle und größtenteils kostenlose Auslieferung. Das Platzen der Internet-Blase überstand Amazon denn auch relativ unbeschadet. Im Jahr 2003 konnte das Unternehmen erstmals in seiner Geschichte einen Nettogewinn verzeichnen. Von den damals noch eher bescheidenen 35 Millionen Dollar wurde die Gewinnsumme dann ein Jahr später bereits auf 588 Millionen Dollar gesteigert.
Aktiengewinne sind nicht alles
Damit stieß das Wachstum des einstigen Garagenbetriebs aber auch vorerst an seine Grenzen. Denn für dieses Jahr sagt Amazon einen niedrigeren Gewinn voraus, und der Aktienkurs sank im ersten Quartal um 20 Prozent. Unter den Anlegern und Analysten wird das Grummeln deshalb immer vernehmlicher. Der Gewinn werde durch die Niedrigpreise und den kostenlosen Versand geschmälert, monieren sie. Amazon müsse unrentable Produkte loswerden und sein Wachstum zu Gunsten des Gewinns zügeln, meint Aram Rubinson von der Bank of America. Bezos aber lässt sich so schnell nicht beindrucken: "Dieselben Leute, die unsere Performance an der Wall Street kritisieren, sind oft unsere besten Kunden", sagte er der Zeitung "USA Today".