Yahoo scheint sich langsam aber sicher zu einem richtigen Voice-over-IP-Anbieter zu mausern. Die Beta-Version des Yahoo!-Messengers, der mittlerweile auch in deutscher Sprache erhältlich ist, unterstützt bereits PC-zu-PC-Anrufe. Jetzt hat die populäre Suchmaschine weitere Weichen gestellt, die auf ein verstärktes Engagement beim Telefonieren über das Internet schließen lassen. Skype scheint als erstes ins Visier der Suchmaschine geraten zu sein. In ferner Zukunft könnten auch bisherige VoIP-Anbieter um ihre Marktanteile bangen.
VoIP-Pionier übernommen
Bereits vergangenen Dienstag übernahm Yahoo! mit Dialpad einen der -nach eigenen Angaben- weltweit größten IP-Telefonie-Provider. Über die bezahlte Summe wurde nichts bekannt. Dialpad gibt es schon seit 1999 und gilt als Pionier in der VoIP-Szene. In der Anfangszeit machte das Unternehmen vor allem mit kostenlosen Gesprächen in die USA auf sich aufmerksam. Zahlreiche andere Unternehmen folgten und boten ebenfalls kostenloses Telefonieren an.
Houston, we have a problem!
Da Breitbandzugänge damals noch nicht so verbreitet waren, ließ die Qualität der Gespräche aber sehr zu wünschen übrig. Wenn man sich mit einem Modem einwählte und somit eher "IP-over-Voice" betrieb, gab es häufig starke Verzögerungen oder es kam gar keine Verbindung zustande. Ein starkes Rauschen ließ den Eindruck enstehen, der Gesprächspartner befände sich am anderen Ende der Welt oder auf dem Mond. Diese Kinderkrankheiten sind inzwischen beseitigt worden.
Im Gegensatz zu den damaligen Konkurrenten überlebte Dialpad das Platzen der "Dot-Com-Blase" und konnte sich mit mittlerweile 14 Millionen registrierten Benutzern im Markt etablieren. Heute ermöglicht die Dialpad-Software "Chameleon" weltweite Anrufe in die Fest- oder Mobilfunknetze vieler Länder. Gemessen an den heute in Deutschland üblichen, niedrigen Gebühren, stellen die Tarife von Dialpad aber -im Gegensatz zu früher- keine wirkliche Sparmöglichkeit mehr dar. So kostet ein Gespräch innerhalb von Deutschland im normalen Prepaid-Tarif 3 Cent pro Minute.
Aufgebohrter Messenger
Mit der Übernahme von Dialpad, das die technische Infrastruktur bereitstellen soll, will Yahoo! seine Voice-over-IP-Dienste erweitern. Was genau damit gemeint ist, gab das Unternehmen nicht bekannt. Ziemlich sicher ist jedoch, dass in einer der nächsten Versionen des Yahoo!-Messengers auch Anrufe ins das normale Telefonnetz möglich werden. Gerüchte besagen, dass eine erste Version bereits in vier Wochen veröffentlicht werden soll.