Die japanischen Elektronikunternehmen Sony und Toshiba stehen offenbar nach dreijährigem Streit vor einer Einigung auf ein neues Format für die DVDs der nächsten Generation. Der neue Standard kombiniere die Software-Technologie von Toshiba mit der von Sony entwickelten Disc-Struktur, berichtete die japanische Zeitung "Nihon Keizai Shimbun". Die Einigung werde möglicherweise am kommenden Montag besiegelt werden. Toshiba und Sony wollten den Bericht nicht bestätigen.
Konflikt der Vergangenheit
Der Streit zwischen den Konzernen hatte in der Branche Erinnerungen an die Einführung der Videoformate in den 80er Jahren geweckt. Damals waren mit VHS und Betamax zunächst zwei unterschiedliche Systeme an den Start gegegangen, was sich als kostspielig und wenig benutzerfreundlich erwies.
Die DVD-Player der nächsten Generation setzen auf blaue Laser, durch die sich aufgrund der kürzeren Wellenlänge sechs Mal mehr Daten speichern lassen als bei heute gebräuchlichen Rotlicht-Lasern. Damit ist auf DVDs künftig auch die Speicherung hochauflösender Filme möglich. Für die Videospielbranche würde sich zudem die Möglichkeit bieten, noch realer wirkende Spiele auf den Markt zu bringen. Sony dürfte diese Technik deshalb auch bei der nächsten Generation seiner Konsole PlayStation einsetzen, die im kommenden Jahr herauskommen soll.
Toshiba hat dafür den so genannten HD-DVD-Standard entwickelt. Vorteil ist, dass DVD-Hersteller ihre bisherigen Produktionsanlagen weiterverwenden können. Dies wäre bei der Sony-Technik nicht möglich. Einige Gerätehersteller hatten wegen des Formatstreits bereits angekündigt, sie wollten versuchen, beide Techniken zu unterstützen.
Open end
Toshiba betonte, zur Zeit sei nichts entschieden. "Die Angabe, dass eine Einigung auf eine Vereinheitlichung auf der Basis (von Sonys Disc-Struktur-System) bevorsteht, ist unbegründet und falsch", erklärte der Konzern. Sony betonte, Ziel sei die bestmögliche Technik für die bestmögliche Nutzung bereitzustellen. Der Konzern sei offen für Gespräche mit Verfechtern anderer Formate.
Die Sony-Technik wird unter anderem von den US-Computerkonzernen Dell, Apple und Hewlett-Packard sowie von den japanischen Gerätebauern Matsushita (Panasonic) und Samsung unterstützt. Bei den Hollywood-Studios haben sich neben Sony Pictures auch Walt Disney auf die Sony-Seite geschlagen. Toshiba konnte dagegen bisher auf die Unterstützung von Paramount, Universal and Warner Brothers setzen.
Aleksandra Leon
/ afp