Wie kommt Gottes Wort zu den Menschen? Um eine Antwort auf diese Frage zu finden, waren die zahlreichen religiösen Gruppen in den USA seit jeher erfindungsreich und scheuten auch nicht vor dem Einsatz moderner Medien zurück: So kommen seit Jahrzehnten Fernsehprediger in die Wohnzimmer der US-Bürger, die es nicht mehr in die Kirche schaffen. Jede Gemeinde, die etwas auf sich hält, ist mit einer eigenen Website im Internet vertreten. Mit dem Siegeszug digitaler Musikabspielgeräte wie dem iPod von Apple haben die sendungsbewussten Gläubigen nun das "Godcasting" erfunden und bieten Predigten und Gottesdienste zum Herunterladen im MP3-Format an - mit großem Erfolg.
Verbreitungsmedium Internet
Die meisten Gemeinden in den USA nutzen schon seit Jahren das Internet, um ihre Ansichten zu politischen und gesellschaftlichen Fragen einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Mit dem Boom der digitalen Musikabspielgeräte haben sie nun das Spektrum erweitert: "Godcasting" kommt von "podcasting", das sich wiederum vom englischen "broadcasting" (Senden) ableitet. Ein Podcast ist - unter Bezug auf den weit verbreiteten MP3-Player iPod - eine selbst produzierte, über das Netz herunterladbare Audiodatei.
Zu den Pionierinnen der göttlichen Audios gehört Joyce Long von der Mount-Pleasant-Gemeinde in Greenwood im US-Bundesstaat Indiana. Im Jahr 2001 digitalisierte sie erstmals Aufnahmen von Gottesdiensten, als sie diese ihren Freunden nahe bringen wollte. "Dann kam mir die Idee, dass es doch schön wäre, wenn Gemeindemitglieder auch in den Ferien nicht auf Gott verzichten müssten und sein Wort auch am Strand von Florida, beim Skifahren oder im Fitness-Studio hören könnten", erzählt Long. Also richtete sie auf der Website der Gemeinde (www.mount.org) einen Downloadbereich ein, von dem die Internetsurfer Predigten, Gesänge und religiöse Lebenshilfe auf ihre MP3-Player spielen konnten.