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Je grüner die Gegend, desto weniger Magenta ist zu sehen: während Großstädte in Deutschland breitbandtechnisch voll ausgestattet sind, lauschen Bürger kleinerer Gemeinden immer noch dem Krächzen und Quietschen ihrer 56k-Modems. Breitband lohnt sich für die Anbieter eben nur da, wo auch viele Kunden wohnen. Die beschauliche Gemeinde Lohra, zwischen Marburg und Giessen gelegen, krempelt nun selbst die Ärmel hoch und verschafft sich ihren eigenen Breitbandzugang.
Leben in der DSL-Diaspora
Lohra ist eine so genannte Flächengemeinde mit zehn Ortsteilen. Damit hat die Gegend ein Problem, das viele Gemeinden in Deutschland kennen: Wenige Bürger verteilen sich auf ein großes Gebiet. Zwar stehen in den Nachbargemeinden Fronhausen und Gladenbach Knotenpunkte der Telekom, die Entfernung nach Lohra ist aber zu groß, um DSL über die Telefonleitung realisieren zu können.
Der Telekom sind die für eine Anbindung Lohras erforderlichen Ausbaukosten in Höhe von 1,5 Millionen Euro zu hoch. Soviel Geld würde man nicht innerhalb eines Jahres wieder einspielen können. Grund genug für die T-Com, die Finger vom Ausbau zu lassen. Darufhin gründete sich im Frühjahr 2004 eine Bürgerinitiative mit dem erklärten Ziel, alle Ortsteile mit Highspeed ans WWW anzuschließen.
Kreativität statt Gewinnmaximierung
Eine Alternative bot die Firma hifreak, Tochter der Marburger Stadtwerke: DSL per Funk. Kurzerhand wurden Funkstrecken geplant, Lösungen für die Masten überlegt und die
Werbetrommel gerührt. Doch die von der Telekom geforderten Mieten für Funkmasten waren der Gemeinde zu teuer. Selbst ist das Dorf, dachte man in Lohra: Die Gemeindevertretung beschloss, die ersten zwei Masten in Eigenregie zu bauen. Das Investitionsvolumen von rund 250.000 Euro, das die Stadtwerke Marburg GmbH für Bau und Betrieb des Funknetzes ausgerechnet hat, war damit beschlossene Sache.