Wegen mutmaßlicher Buchhaltungstricksereien bei dem Onlinedienst AOL hat der Mutterkonzern Time Warner in die Zahlung von 300 Millionen Dollar (227 Millionen Euro) eingewilligt. Wie die US-Börsenaufsicht SEC in New York mitteilte, soll das Geld an "geschädigte Anleger" verteilt werden.
AOL mit Blähungen
Nach Angaben der Behörde, soll AOL in seinen Büchern für den Zeitraum zwischen 2000 und 2002 seine Einkünfte aus dem Werbegeschäft und die Zahl seiner Abonnenten aufgebläht haben. Die Manipulationen hätten vor der spektakulären Fusion von AOL mit dem Mediengiganten Time Warner begonnen und seien danach, entgegen einer Anweisung der Börsenaufsicht fortgesetzt worden, erklärte die SEC.
Amerikanische Peanuts
Time Warner gab im Rahmen der außergerichtlichen Einigung keine Schuld zu. Das Unternehmen willigte aber ein, seine Bilanzen für den betroffenen Zeitraum zu korrigieren. Laut SEC sollen die Einnahmen aus dem Werbegeschäft um etwa 500 Millionen Dollar nach unten berichtigt werden. Bereits zu einem früheren Zeitpunkt hatte das Unternehmen diese Einnahmen um 190 Millionen Dollar nach unten revidiert.
Insgesamt kosten Time Warner die Bilanzunregelmäßigkeiten nun 510 Millionen Dollar. Das Unternehmen hatte zuvor schon der Zahlung einer Strafe von 210 Millionen Dollar zugestimmt, um Ermittlungen des Justizministeriums in Washington zu beenden.
Regeln sind zum brechen da?
In einem getrennten Verfahren wirft die SEC dem Time-Warner-Finanzvorstand Wayne Pace sowie zwei weiteren Managern Verstöße gegen Bilanzierungsregeln vor. Dabei sollen die Online-Einnahmen im Zusammenhang mit Transaktionen mit dem deutschen Medienunternehmen Bertelsmann um 400 Millionen Dollar aufgebläht worden sein. Beide Seiten hatten zusammen in Europa das Joint Venture AOL Europe betrieben. Bertelsmann hatte 2002 seinen 49-prozentigen Anteil an dem Unternehmen an Time Warner für 6,75 Milliarden Dollar verkauft.
Aleksandra Leon
/ afp