Onlineberatungen und –bestellungen werden immer häufiger, E-Commerce macht sich im Versandhandel immer breiter. Auch Versicherungen können schon online abgeschlossen oder Beratungsangebote in Anspruch genommen werden. Doch der virtuelle Vater Staat kommt europaweit nur gemächlich übers Netz der tausend Möglichkeiten. Erst rund 40 Prozent der untersuchten grundlegenden Staatsdienste sind in den 25 europäischen Mitgliedsländern sowie Island, Norwegen und der Schweiz bislang online erreichbar. Dabei liegt das Augenmerk der Behörden vor allem auf Services für Unternehmen bzw. Einnahmen generierende Angebote.
E-Staat: Wenn’s ums Geld geht
Mit 77 Prozent europäischem Durchschnitt sind mittlerweile 20 Prozent mehr Dienste für Unternehmen virtuell umgesetzt worden, als für Privathaushalte. Zu den am besten ausgebauten Diensten gehören natürlich die, mit denen der Staat Geld verdient: so ist in allen 28 getesteten Ländern der Service Einkommenssteuer mit durchschnittlich 91 Prozent am besten ausgebaut, ähnlich wie Umsatz- oder Körperschaftssteuern bzw. Zollerklärungen. Wenn es dagegen um Genehmigungen und Konzessionen geht, scheint es sich um derart komplizierte Verwaltungsakte zu halten, dass die Europäer dafür noch offline gehen müssen.
Deutschland in der Mittelmäßigkeit
Ausgerechnet der kleine Inselstaat Island ist Spitzenreiter in der Untersuchung, was den "Online-Umsetzungsgrad" anbelangt. Mit 20 Prozent konnte das grüne Eiland die höchste Steigerung innerhalb eines Jahres verzeichnen, gegenüber 14 Prozent in Deutschland oder 13 Prozent in Großbritannien und Italien. Bleibt zu hoffen, dass sich die Staatsoberhäupter den Hinweis von Tom Gensicke zu Herzen nehmen. Der sieht sowohl in den finanziell orientierten wie auch standortbezogenen Entscheidungen der Länder dennoch Vorteile: "Für den Fortschritt von e-Government ist das nicht per se als schlecht zu bewerten, können doch so später nicht kostendeckende Dienste quersubventioniert und trotz oft angespannter Finanzlage der Behörden realisiert werden."
Aleksandra Leon