Samstag, 12.03.2005 09:01

Interview mit einem Virenjäger

aus den Bereichen CeBIT, Computer
Zwar seien auch die Auswirkungen der alten Schädlinge ärgerlich gewesen, doch zumindest wäre es nicht an die eigene Brieftasche gegangen, so Hindocha. Dies ändert sich allerdings zunehmend, mehrere Phishing-Mails sind bei seiner Mailbox an der Tagesordnung. Der Trick dabei: Dem Nutzer wird per HTML das Layout zum Beispiel einer bekannten Bank vorgegaukelt. Er wird gebeten, seine Kontodaten, Kreditkarteninformationen oder ähnliches bei einem anzuklickenden Link anzugeben. Der Link führt allerdings nicht auf die Seite, die der Text dem arglosen User vorgaukelt, sondern auf den Server des Phishers. Hat dieser erst einmal die Daten, steht dem Missbrauch nichts mehr im Wege.

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Business as usual

Es ist allerdings nicht immer leicht, Phishingversuche zu identifizieren, erklärt der Virenjäger. Denn natürlich können sich unter einem Link, der einen anderen Text aufweist, auch korrekte Informationen verstecken. Der beste Weg ist es, den gesunden Menschenverstand einzuschalten, meint Hindocha. Käme ein Bankmitarbeiter mitten am Tag auf einen zu und würde nach den Kontoinformationen fragen, würde man auch einen großen Bogen um diese Person machen. Eigentlich einleuchtend.

Viel schwerer ist es dabei, den Bot-Netzen auszuweichen. Denn diese seien immer intelligenter programmiert – und damit schwieriger zu entfernen. Er selbst habe den letzten Bot-Schädling mühsam per disassembling auseinandernehmen müssen, um alle auf dem System vorhandenen Dateien aufzuspüren. Der Trick bei den Bots: der Rechner wird ferngesteuert und kann Spam-Mails verteilen, Rechenaufgaben durchführen oder DDoS-Attacken feuern. Für den "Betreiber" der Botnetze ein Business-Modell: Er kann Rechenzeit verkaufen. Und alles was Geld bringt, wird wachsen und gefährlicher werden.

Mobile untinteressant

Wenig Potenzial rechnet Hindocha dagegen den mobilen Viren zu. Dazu sei die eingesetzte Software zu sicher und die Verbreitung von anfälligen Mobiltelefonen zu gering. Auch die Ansteckungsgefahr sei hier geringer. Gefährlich wird es allerdings, wenn Bluetooth aktiviert ist, ein Schädling auf dem Computer die Verbindung zum Handy ausnutzt und Daten klaut. Bei der Erklärung ist Hindocha ganz in seinem Element. Das bemerkt man auch bei der Symantec-Party abends: Er eist sich von Cocktails und netten Gesprächen los, um einen Server zu fixen. Ein echter Virenjäger eben.
Sven Wagenhöfer
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