Mit Galileo will Europa erstmals ein eigenes satellitengestütztes System zur Ortsbestimmung in Betrieb nehmen. Anders als das Global Positioning System (GPS) der USA und das russische GLONASS steht Galileo unter ziviler Kontrolle. Es soll ab 2008 zur Verfügung stehen. Neue Anwendungsgebiete für Industrie und Verbraucher und tausende zusätzliche Arbeitsplätze sind die Argumente, die die EU-Kommission für Galileo anführt.
GPS: Übern Daumen gelotst
Die Marktchancen sind demnach enorm: Lagen die Umsätze für die Satellitennavigation im Jahr 2003 schon bei rund 20 Milliarden Euro, soll sich dieses Volumen bis 2020 mehr als verzehnfachen. Nach gut einer Milliarde Euro aus öffentlichen Kassen für die Vorlaufphase, muss das private Betreiberkonsortium zwei Drittel der mit 2,1 Milliarden Euro veranschlagten Kosten für die 30 Galileo-Satelliten sowie die Technik am Boden zahlen. Hinzu kommen etwa rund 220 Millionen Euro jährliche Betriebskosten. Die öffentliche Hand schießt noch einmal 700 Millionen Euro für den Aufbau zu.
Die teuersten Zentimeter im All
Das Betreiberkonsortium darf mit Galileo zunächst 20 Jahre lang Geld verdienen, muss dafür aber auch festgelegte Dienste anbieten. Der "offene Dienst" (Open Service) ist für den Massenmarkt gedacht. Dazu gehört die Übermittlung kostenloser Signale zur Zeitsteuerung und zur Positionsbestimmung, die bis auf vier Meter genau sein soll. Für sicherheitskritische Anwendungen wie etwa im Verkehrssektor wird Galileo den "Safety-of-Life Service" (SoL) anbieten, dessen Genauigkeit durch technischen Mehraufwand garantiert ist.
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Der "Kommerzielle Dienst" wird die genaueste Positionsbestimmung ermöglichen und kostenpflichtig sein. In diesem Bereich kann etwa auch zentimetergenaue Navigation in Gebäuden geleistet werden. Die Gebühren für diesen Dienst, der beispielsweise auch beim Bau von Pipelines nützlich sein wird, sollen Haupteinnahmequelle werden. Ein öffentlich regulierter Dienst soll für Polizei und Zoll zur Verfügung gestellt werden. Geplant ist auch die Verarbeitung von Notruf-Signalen weltweit, die Galileo mit exakter Position weitergeben soll.
Aleksandra Leon
/ afp