Mit 35 Minuten Verspätung ist am Montag der erste TGV-Hochgeschwindigkeitszug von Paris nach Marseille gefahren, für den sich die Fahrgäste Tickets nur per Internet besorgen konnten.
Angst um Jobs
Die Verzögerung wurde durch 400 streikende Mitarbeiter der französischen Staatsbahn SNCF verursacht, die durch die Internet-Buchung Arbeitsplätze im Ticket-Verkauf gefährdet sehen. Mit dem iDTGV (interactif-détente TGV) können die Reisenden den Drei-Stunden-Trip Paris-Marseille zunächst zum Aktionspreis von 19 Euro zurücklegen. Damit macht der TGV Billigflieger easyjet Konkurrenz, der auf dieser Verbindung 23 Euro berechnet. Auf Dauer sollen die iDTGV-Tickets teurer werden, nur Frühbucher haben noch Chancen auf den Billigtarif. Nach einem ähnlichen Prizip arbeiten auch Billigflieger wie Germanwings oder HLX.
Der erste iDTGV mit rund 500 Plätzen war vollständig ausgebucht. Für die kommenden Wochen wurden bereits 20.000 Tickets verkauft. Die SNCF verkauft derzeit rund elf Prozent ihrer Tickets über das Internet, bis 2007 soll dieser Anteil auf rund 25 Prozent gesteigert werden.
Idee für Deutschland?
Ist die Idee, einen Schnellzug nur auf Basis von Internetbuchungen einzusetzen auch ein mögliches Konzept für den deutschen Markt? Eine Frage, die wir auch der Pressestelle der Deutschen Bahn stellten. Ein Unternehmenssprecher erklärte uns, dass die französische Idee sicherlich interessant sei, für Deutschland aber nicht in Betracht gezogen werde. Unter anderem spiele das im Vergleich zu Frankreich sehr engmaschige Schienennetz der Deutschen Bahn bei einem solchen Konzept der Bahn nicht mit.
Der Verkauf von Tickets über das Internet spiele für die Bahn aber trotzdem eine sehr wichtige Rolle. Insgesamt sechs Prozent der verkauften Tickets im Personenverkehr würden bereits über das Internet abgesetzt und die Tendenz sei sehr stark steigend.
Hayo Lücke