Die deutsche Musikindustrie geht weiter scharf gegen illegales Filesharing über Tauschbörsen wie eMule und Kazaa vor. In den vergangenen Wochen wurden 100 neue Strafanzeigen gegen illegale Musikanbieter in mehreren Tauschbörsen gestellt, erklärte Gerd Gelbhardt, Vorsitzender der deutschen Phonoverbände. Grund für die Anzeigen sei in erster Linie, dass seit der ersten
Anzeigen-Welle eine deutlich abschreckende Wirkung erkennbar gewesen sei. Die Zahl der Nutzer und der getauschten Musikdateien in den Tauschbörsen habe spürbar abgenommen.
Geldstrafen, die weh tun sollen
Nach Preisgabe der Identität der Rechtsverletzer durch die Internetprovider an die federführende Staatsanwaltschaft sind die Verfahren inzwischen bei den regional zuständigen Staatsanwaltschaften anhängig. Bisher wurden zwei Urteile und ein Strafbefehl verhängt sowie 16 zivilrechtliche Vergleiche geschlossen. Die Rechtsverletzer zahlten bisher zwischen 2.000 und 10.000 Euro Schadensersatz, abhängig von der Zahl der illegalen Angebote, den konkreten Tatumständen und der individuellen Situation der Rechtsverletzer. "Wir bedrohen keine Existenzen, aber es soll schon unangenehm sein, für illegale Musikangebote verantwortlich zu sein", erklärt Gerd Gebhardt.
Bisher wurden unter anderem folgende Personen ermittelt:
- Ein 23-jähriger Auszubildender aus Cottbus hatte 6.000 Titel illegal angeboten. Er zahlte 8.000 Euro Schadensersatz und wurde außerdem zur Zahlung einer Geldstrafe von 80 Tagessätzen verurteilt.
- Ein 57-jähriger Lehrer aus dem Raum Stuttgart zahlte 10.000 Euro Schadensersatz für knapp 2.000 illegale Angebote. Das Strafverfahren läuft noch.
- Eine 16-jährige Schülerin aus Heidelberg hatte knapp 500 Musiktitel illegal angeboten. Sie zahlte 2.000 Euro Schadensersatz.
- Ein Schreiner bei Münster hatte 1.200 Musiktitel illegal angeboten. Ihm wurde die Zahlung einer Geldbuße in Höhe von 1.000 Euro an eine karitative Organisation auferlegt. Außerdem leistete er 7.500 Euro Schadensersatz
- Ein 21-jähriger Student aus dem Raum Stuttgart zahlte für das Angebot von 575 Musikdateien 4.000 Euro Schadensersatz. Das Strafverfahren läuft noch
- Ein 24-jähriger Informatikstudent aus dem Raum Nürnberg hatte ein P2P-Netzwerk über seinen Internetrechner aufgebaut, über das unter anderem WinMX-Nutzer mehrere Tausend Musikdateien herunterladen konnten. Er ist nach Verurteilung zu einer Geldstrafe von 120 Tagessätzen vorbestraft und leistete 8.000 Euro Schadensersatz
Nicht nur auf Kazaa beschränkt
Die Verfolgung von Piraterieangeboten in Deutschland ist übrigens nicht, wie gelegentlich fälschlicherweise spekuliert, auf Kazaa-Teilnehmer beschränkt: Auch Anbieter bei eMule, eDonkey, Bittorrent, Bearshare, WinMX und anderen Tauschbörsen müssen damit rechnen, identifiziert und angezeigt zu werden.
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