Kritische Stimmen werden laut
Nicht nur potentielle Spammer, auch Vertreter der Internetindustrie wehren sich gegen die Idee einer bezahlten E-Mail – sei es nun mit harter Währung oder Rechenzeit. So könne zwar in einigen Ländern abgerechnet werden – andere wiederum würden sich sperren. So global das Internet auch ist, stoßen solche Ideen schnell an regionale Grenzen.
Auch das "Digital Divide", also der große Unterschied in der Ausstattung zwischen den Ländern spielt eine große Rolle. Vor allem in Entwicklungsländern, in denen immer mehr Menschen zur Netizens werden, könnte eine Bezahl-Mail zum Problem werden. "Wir dürfen nicht nur an die halbe Milliarde Menschen denken, die heute E-Mail nutzen", meint etwa John Patrick, der früher bei IBM Vizepräsident für Internet-Technik war, im Gespräch mit Associated Press. "Da sind noch fünf bis sechs Milliarden, die das bald machen wollen."
Neue Ideen müssen her
Einen viel besseren Weg als das Bezahlen sehen Kritiker in der Implementierung neuer Protokolle. So hat das alte SMTP (Simple Mail Transfer Protocol) eigentlich schon längst ausgedient und ist nicht mehr zeitgemäß. Mit freien SMTP-Servern lässt sich jegliche E-Mail verschicken – und das sogar mit falscher Absenderadresse. Neue und sichere Mailprotokolle, bei denen zum Beispiel der Absender klar erkennbar ist, müssten entwickelt und auf breiter Basis eingeführt werden.
Resigniert gibt sich unterdessen der Vorsitzende der "Internet-Verwaltung" ICANN, Vint Cerf. Er ist überzeugt, dass Spammer immer einen Weg finden werden, jede Form der kostenlosen Nutzung der E-Mail auszunutzen. "Ich bin immer wieder überrascht, wie erfindungsreich sie sind", meint Cerf gegenüber AP.