Aerobic und Börsenzocking - Die virtuelle Lisa B.
Nächster Klick: GMX will wissen, was Lisa sonst noch so drauf hat. Sagen wir: Sie hat Abitur, keine Kinder, dafür DSL und verdient unter 1.000 Euro pro Monat. Der Verdienst könnte sich bald ändern. Nicht für sie, aber für den eigentlichen Nutzer Ihres Accounts – für uns, die potentiellen eBay-Millionen-Schäffler. Noch ein Klick und fertig? Nein, der Free-Mailer nervt noch ein wenig mit Lisas Interessensgebieten. Meine Herrn, ihr stellt Fragen! Was macht eine 19jährige Camperin aus G. wohl in Ihrer Freizeit? – Aerobic vielleicht? Kurztrips? Ein wenig Aktienbörse? – Klar doch, für Geld klicken wir alles. Ein paar Klicks noch und fertig ist das Kunstprodukt…
eBay-Account: 0815betrueger
Jetzt wird’s spannend: Wir tragen die E-Mail-Adresse bei der eBay-Anmeldung ein. Ganz unten müssen wir noch einen Account-Namen kreieren. Wie wär’s mit 0815betrueger? – Klingt prima! Geklickt, es beginnt der ominöse Schufa-Check. Binnen 10 Sekunden poppt das nächste Fenster: „Sie haben’s fast geschafft. eBay hat gerade eine E-Mail an folgende Adresse geschickt: 0815betrueger@gmx.de. Klicken Sie auf den Link in dieser Mail.“ Gelächter vorm Rechner. Sollte das wirklich so einfach sein?
Wir öffnen GMX – und tatsächlich: Die Mail ist da. Der Link geklickt, eBay poppt auf und begrüßt uns artig – „Herzlich willkommen, 0815betrueger“. 3-2-1-meins. Wir sind drin. Mit Fake-Account und völlig fremden Daten. Zwei Wochen sind’s noch bis Weihnachten. Wenn wir wollten, hätten wir in Windeseile Geld-Geschenke zum Nulltarif. Und wenn uns der Boden unter Lisa’s Account zu heiß würde? Nun, da ständen noch dutzende weitere Sommerfreizeitler, Kaffee-Fahrer und Kegelclubs mit Namen, Geburtstagen und Adressen im Netz Gewehr bei Fuß.